In der Forschung "kann viel in kurzer Zeit ruiniert werden"

23. Jänner 2009, 14:42
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Forum Forschung der Universitätenkonferenz besorgt über zukünftige Entwicklung in Österreich

Wien - Die im Forum Forschung der Universitätenkonferenz (uniko) vertretenen Rektoren und Vizerektoren sind angesichts der Budgetsituation um die zukünftige Entwicklung von Wissenschaft und Forschung besorgt. In einer Resolution sprechen sich die Rektoren dafür aus, "mit allen Kräften zu verhindern, dass wegen mangelnder Karrieremöglichkeiten und der Unmöglichkeit einer nachhaltigen Finanzierung gerade die höchstqualifizierten jungen Forscher/innen sich gezwungen sehen, Österreich zu verlassen, wodurch ein nicht wieder gut zu machender Schaden für den Forschungsstandort Österreich entstünde".

"In der Forschung kann man viel ruinieren, und zwar in kurzer Zeit", erklärte der Vorsitzende des Forum Forschung und Vizerektor der Universität Wien, Heinz Engl. Er hat Verständnis dafür, in finanziell und wirtschaftlich angespannten Zeiten zu sparen, "man muss aber auch schauen, die Forschung nicht zu beschädigen".

Verantwortung

Den Unis komme - als Hauptträger der Forschung in Österreich und durch ihre forschungsorientierte Lehre - entscheidende Verantwortung für die Ausbildung des Nachwuchses an Forschern und der Nachwuchskräfte der Wirtschaft zu. Beides sei gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation entscheidend für die internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs, heißt es in der Resolution.

"Wir brauchen den Wissenschaftsfonds"

Das Forum Forschung plädiert deshalb dafür, im Rahmen der kommenden Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und Unis "ausreichend Mittel für die universitäre Basisfinanzierung der Forschung sowie für die Profilentwicklung" zur Verfügung zu stellen. Wichtig ist den Rektoren auch die Sicherung einer "ausreichenden Budgetausstattung des FWF". "Wir brauchen den Wissenschaftsfonds", betonte Engl, speziell die Mittel für Forschungsprojekte, insbesondere für Schwerpunktsetzungen wie Spezialforschungsbereiche und Doktoratskollegs. Da diese Mittel im Wettbewerb eingeworben werden müssen, seien sie auch für die Qualitätsorientierung der Unis wichtig, so Engl.

"Overhead-Kosten"

Ein großes Anliegen ist dem Forum Forschung auch, die erst kürzlich eingeführte Abgeltung von "Overhead-Kosten" bei FWF-Projekten nicht budgetär zu gefährden. Im Zuge der Debatten der vergangenen Wochen um mögliche Kürzungen der Forschungsbudgets waren auch Gerüchte aufgetaucht, der FWF könnte die Zahlung von Overhead-Kosten wieder einstellen. Für Engl wäre dies "katastrophal" und würde auch an den Unis einen Verlust der Steuerungsfähigkeiten bedeuten.

Unterstützung von den Grünen

Unterstützung für die Forderungen kam von den Grünen: "Universitäten und Forschung dürfen nicht finanziell ausgehungert werden", meinte Grünen-Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald am Freitag in einer Aussendung. Der Wissenschaftsminister habe zwar mehr Geld zugesagt, aber nachdem das Budget bisher noch nicht verhandelt sei, könnten die Betroffenen weiterhin nur hoffen, dass die Zusagen eingehalten werden. Selbst dann müsse man aber mit einer Versorgungslücke von etwa einer Milliarde Euro rechnen, das sei für die Unis und Fachhochschulen "existenzgefährdend und macht einen sinnvollen Forschungsbetrieb unmöglich".

Programme des Wissenschaftsfonds FWF und der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) dürften nicht zurückgefahren werden und junge Wissenschafter "durch fehlende Projektfinanzierungen nachhaltigen Schaden erleiden", hieß es. Inakzeptabel sei auch die Kostenüberwälzung des "unverzichtbaren und äußerst dringlichen" Kollektivvertrages an die Universitäten. (APA)

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