Aktion "Hol dir Geld vom Staat!"

Die Verschrottungsprämie würde die Umwelt nur retten, wenn sparsamere Autos gekauft würden. Bei den derzeitigen Spritpreisen unwahrscheinlich

Aktion "Hol dir Geld vom Staat!"

Der rasant steigende Spritpreis im Lauf des Vorjahres hatte durchaus positive Auswirkungen auf das Verkehrsaufkommen, das zumindest in Teilbereichen spürbar zurückging. Jetzt, wo Benzin und Diesel wieder ein Viertel weniger kosten, ist alles wie zuvor. Das konnte jeder feststellen, der viel auf unseren Straßen unterwegs war, ob freiwillig oder gezwungenermaßen: Es ging einfach da oder dort ein bisschen flüssiger. Bei allen Problemen, die der hohe Ölpreis für jene brachte, die etwa weite Wege zur Arbeit haben, für die Umwelt war das ein Vorteil.

Mittlerweile haben wir aber schon wieder ganz andere Probleme. Oder anders gesagt, wir fokussieren wieder ganz anders. Jetzt droht es dem Autohandel bald schlechtzugehen, und zwar sehr schlecht. Mit einem Rückgang der Verkaufszahlen im zweistelligen Prozentbereich wird gerechnet. Ein bisschen doppelbödig erscheint es trotzdem, wenn nun zur Rettung der Umwelt von Autoherstellern und Autohandel eine Verschrottungsprämie eingefordert wird. Das Einzige, was nämlich im Fall der tatsächlichen Einführung einer Verschrottungsprämie sicher erscheint, ist, dass sie den Staat sehr viel Geld kostet.

Für die Umwelt hätte es nur dann signifikante Vorteile, wenn auch tatsächlich deutlich kleinere Autos gekauft würden. Beim derzeitigen Spritpreis ist damit aber nicht unbedingt zu rechnen. Und wenn doch, haben die Anbieter großer Autos umso größere Rückgänge zu befürchten. Wer jetzt kein Geld hat, ein neues Auto zu kaufen, wird trotz Verschrottungsprämie keines kaufen.

Das heißt, es besteht die Gefahr, dass eine Verschrottungsprämie sowohl der Autobranche als auch der Umwelt sehr wenig nützt, sondern faktisch zur direkten Subventionierung der Neuwagenkäufer wird - ohne gewünschte Effekte. (rs/DER STANDARD/Automobil/23.01.2009)

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