Kritik an Luxusautos

23. Jänner 2009, 17:36
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Finanzminister Pröll hat "kein Verständnis" für 130.000 Euro teure Fahrzeuge

Wien - Lange Anschaffung, große Wirkung: Dass zwei Direktoriumsmitglieder der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB; Vizegouverneur Wolfgang Duchatczek und Peter Zöllner) ausgerechnet mitten in der Krise neue, mit sündteuren Extras ausgestattete Dienstwägen bekommen haben, hat nun auch Vizekanzler Josef Pröll auf- und auf den Plan gebracht.

Er meint, "niemand in dieser Republik könne Verständnis für solchen Luxus haben". Brieflich hat er OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny (fährt den Mercedes S500 seines Vorgängers) um Auskunft gebeten und ihm geraten, "sich am Bundesbeschaffungsgesetz zu orientieren" , was zu "signifikanten Einsparungen" führen könnte. Weder Kanzler noch irgendein Minister würden Autos dieser Preisklasse fahren, kritisierte er im Gespräch mit der Gratiszeitung "Heute".

Massagesitze

Die Fakten dahinter: Zöllners BMW 740 Li (Langversion; eingebaut sind auch Massagesitze und ähnlicher Schnickschnack) und Duchatczeks S-Klasse-Mercedes 450 sind so aufgemotzt, dass ihr Listenpreis bei rund 130.000 Euro läge. Sie sind freilich geleast (die Leasinggesellschaft ging aus einer Ausschreibung hervor); die Verträge für die alten Autos waren nach fünf Jahren abgelaufen, es handelt sich laut OeNB daher um "routinemäßige Neuanschaffungen" .

Der Chef des OeNB-Generalrats, Claus Raidl, warf sich angesichts der Aufregung für die Notenbanker in die Bresche: Die Wägen entsprächen dem bei Kommerzbanken und anderen Zentralbanken "üblichen Standard" , er werde aber die Dienstwagenregelung überarbeiten lassen.

In der OeNB gesteht man zwar ein, die "Optik ist schlecht" - aber die Autos dienten als mobile Büros ("sie haben ja auch Leselampen" ) und dienten "Repräsentationszwecken" . Zöllner habe keine Stretch-Limousine, sondern sein Dienstauto einen "langen Radstand" , und der wird so argumentiert: "Man nimmt ja oft Gäste mit. Und die Länge im Fahrgastraum geht zulasten des Kofferraums." (gra, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.1.2009)

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