Aufnahme in den erlauchten Kreis

23. Jänner 2009, 19:39
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Just auf der Streif gewann der Klaus Kröll sein erstes Weltcup­rennen, und zwar den Super-G - Viele Favoriten für die Abfahrt

Kitzbühel - Klaus Kröll, den sie den "Bullen von Öblarn" nennen, war zunächst einmal baff. Der Steirer fährt ja schon lange dem Sieg hinterher, schaffte zwar in insgesamt 94 Weltcuprennen schon dreimal einen zweiten und einmal einen dritten Platz, doch das passierte in der Abfahrt und nicht im Super-G. Im 95. Rennen war er da, der Sieg. Der liefert 50.000 Euro Preisgeld. Und vor allem liefert er Berühmtheit. "Kitzbühel-Sieger kennt man, ich kann mich selbst an fast alle erinnern. Schön, dass ich jetzt dazu gehöre." Und wie schon so viele aus dem erlauchten Kreis erklärte er: "Mein größter Traum ist in Erfüllung gegangen. Das ist so schön wie ein WM-Titel."

Kröll war höchst erfreut, als die Jury den Start windbedingt etwas nach unten verlegte, wo es ziemlich steil gleich aufs erste Tor zugeht. "Da musste ich nur einmal richtig antauchen", sagte der 28-Jährige, der sich in Wengen im Training drei Handwurzelknochen in der rechten Hand gebrochen hatte und seither mit einer Schiene unterwegs ist. Ärztlicherseits wurde ihm eigentlich eine mehrwöchige Arbeitspause verordnet.

Kröll düste mit der Startnummer 26 herab. Zu diesem Zeitpunkt wähnte sich der Norweger Aksel-Lund Svindal als Sieger, und Hermann Maier war schon geschlagen. "Das war wie ein 1:0 in der 97. Minute", sagte ÖSV-Alpinchef Hans Pum. Kröll siegte schließlich vor Svindal und dem Schweizer Ambrosi Hoffmann. "Das muss ich erst verdauen", sagte er später, als er nicht mehr ganz so baff war. "Das ist ja doch eine richtig große Sache. Ich habe es ja auch nicht immer ganz leicht gehabt." Die Karriere von Kröll, der in der Jugend dem Gewichtheben frönte und 1999 bei der Junioren-WM die Abfahrt und 2000 den Super-G gewann, wurde mehrmals von Verletzungen unterbrochen.

Maier erstmals nich in den Top-Ten

Maier, der beim Kitzbüheler Super-G in bisher sieben Versuchen fünfmal gewann und zweimal Zweiter wurde, wirkte fast ein wenig erleichtert. "Ich bin gar nicht enttäuscht. Jede Serie muss einmal zu Ende gehen", meinte er und fügte sarkastisch hinzu: "Es ist ja auch schwieriger, einmal hinten zu sein als immer nur vorn."

Jetzt ist Kröll natürlich auch für die Abfahrt am Samstag (11.30, ORF 1) ein heißer Tipp. Der Führende im Abfahrts-Weltcup, Michael Walchhofer, Bode Miller oder Vorjahrssieger Didier Cuche sind das natürlich auch. Das Rennen wurde übrigens zuletzt anno 2004 von ganz oben gestartet. Damals siegte Stephan Eberharter, und die Kundigen sprechen noch immer von der besten Fahrt der bisherigen Streif-Geschichte. Den Streckenrekord hält seit 1997 Fritz Strobl. Die 1:51,57 werden aber auch heuer nicht zu knacken sein. Schließlich ist die Strecke seit damals um einiges länger geworden. Auf den 860 Metern Höhendifferenz wird der Materialentwicklung wegen mehr geschwungen als früher. Wie auch immer: Dem Sieger winken 70.000 Euro an offiziellem Preisgeld, dazu pflegen noch die finanziellen Zuwendungen der Ausrüster und Sponsoren zu kommen, die in Kitzbühel viel höher sind als anderswo.

Der Slalom am Sonntag kehrt nach zwei Jahren Exil wieder auf den Ganslernhang zurück. Manfred Pranger und Reinfried Herbst bestritten hier am 14. Jänner Trainingsläufe. Zuvor siegte in Adelboden Herbst vor Pranger. Und nachher in Wengen Pranger vor Herbst. Der Slalomsieg am Ganslern liefert ebenfalls 70.000 Euro. Dazu wird er mit der Abfahrt klassisch kombiniert. Und nur beim in Summe Besten, der 40.000 Euro lukriert, handelt es sich um den offiziellen Hahnenkamm-Sieger. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 24.01.2009)

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    Es ist soweit: Klaus Kröll hat seinen ersten Sieg in der Tasche.

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    Den Hausberg im Rücken, erstmals ganz oben.

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