Zellmanipulation gegen Multiple Sklerose

23. Jänner 2009, 12:49
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Neuer Ansatz könnte in einigen Jahren beim Menschen eingesetzt werden

Würzburg - Forschern ist es im Tierversuch gelungen, einen für die Verschlechterung von Multipler Sklerose verantwortlichen Zelltyp so zu manipulieren, dass sich die Symptome verbesserten. Die Erkenntnisse der Wissenschafter an den Universitäten Würzburg und Madison (USA) wurden in der Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience" veröffentlicht, wie die Uni Würzburg erklärte.

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems. Dabei zerstören körpereigene Abwehrzellen die Isolationsschicht der Nervenfasern, die sogenannte Myelinscheide, so dass Nervenimpulse nicht mehr richtig weitergeleitet werden können. Frauen erkranken fast doppelt so häufig wie Männer.

Schlüsselrolle

Die Forscher fanden nun heraus, dass die sogenannten dendritischen Zellen eine Schlüsselrolle im fehlgeleiteten Angriff des Immunsystems auf das Nervensystem spielen, wie der Leiter der Klinischen Forschungsgruppe Multiple Sklerose an der Uni Würzburg, Heinz Wiendl, erklärte. Im Tierversuch habe sich der Krankheitsverlauf immer dann verschlechtert, wenn im Gehirn eine erhöhte Anzahl von dendritischen Zellen anzutreffen war.

Diese Zellen verursachen aber nicht selbst die Schäden an den Nervensträngen. Sie sorgen dafür, dass große Mengen weiterer Immunzellen, sogenannter Effektor-Zellen, ins Nervensystem einwandern, die dann Entzündungen hervorrufen und andere Immunzelltypen wie Fresszellen anlocken. Dadurch werde die Schädigung der Myelinscheide vorangetrieben.

Manipulation

Den Wissenschaftern gelang es, die dendritischen Zellen zu manipulieren. Wurden sie mit speziellen körpereigenen Botenstoffen behandelt, aktivierten sie keine Effektor-Zellen mehr, sondern andere Zellen, die Entzündungsprozesse hemmten. Durch diese Behandlung sei die bei Tieren simulierte MS seltener ausgebrochen. Außerdem seien die Symptome gelindert worden, erklärte Wiendl.

Eine Übertragung der Ergebnisse auf den Menschen sei allerdings nicht so einfach möglich, schränkte er ein. Es werde daher wohl noch Jahre dauern, bis die gewonnenen Erkenntnisse die Grundlage für eine Therapie der MS bilden können. (APA/AP)

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