Nowotny: "Schwerste Krise seit Nachkriegszeit"

23. Jänner 2009, 17:51
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Der OeNB-Chef forderte in einer Diskussion am Wiener Juridicum eine europäische Bankenaufsicht und rasches Handeln

Wien - "Im monetären Bereich ist es die schwerste Krise in der Nachkriegszeit. Man muss rasch entgegenwirken" , sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny bei einer Diskussion im Rahmen der Europagespräche am Juridicum zum Thema "Weltfinanzkrise - Bewährungsprobe für die Europäische Union". Grundsätzlich müsse man aber die monetäre Krise von jener der Realwirtschaft trennen.

Wirtschaft und Politik hätten zwar aus der Vergangenheit viel gelernt, auf die Selbstheilungskraft des Marktes könne aber nicht vertraut werden, so Nowotny. Der EU sei es aber erstmals gelungen, bei der Fiskalpolitik koordiniert vorzugehen.

"Exitstrategien andenken"

Matthias Mors, Hauptberater in der Generaldirektion ECFIN der Europäischen Kommission, lobte die EU-weite "schnelle Einigung auf ein gemeinsames Handeln". Mors merkte jedoch an, dass es verwunderlich sei, dass die Bankaufseher keine Kenntnis darüber hatten, welche Produkte in den Bank-Bilanzen liegen. Man dürfe jetzt nicht vergessen, die Lehren aus dieser Krise zu ziehen. "Sobald sich eine Stabilisierung abzeichnet, muss der Staat Exitstrategien andenken, um aus den Banken wieder auszusteigen", sagte Mors.

Für die Österreich-Chefin von Infineon, Monika Kircher-Kohl, ist klar, dass "in jeder Krise die Karten neu gemischt werden" und es "zu Marktverschiebungen kommt". Daher sei es wichtig, "schnell und flexibel" zu reagieren. "Vision und Strategie sind auch vor der Krise wichtig. Wer keine hat, stürzt in der Krise ins Chaos", sagte Kircher-Kohl. Man müsse schauen, dass den Unternehmen das Geld nicht ausgeht, damit "Innovationen weiterhin finanziert werden können".

Georg Winckler, Rektor der Universität Wien, zeigte sich Donnerstagabend darüber besorgt, dass aufgrund der Krise innerhalb der EU unterschiedliche Zonen der Betroffenheit entstehen und ortet prinzipiell eine Neuordnung der politischen Landkarte. Die Europäische Zentralbank dürfe sich nicht nur um die Euro-Zone kümmern, zudem brauche Europa eine einheitliche Bankenaufsicht, forderte Winckler.

In diese Kerbe schlug auch Nowotny, der sich ebenfalls für eine Harmonisierung der europäischen Bankenaufsicht ausgesprochen hat und anmerkte, die EZB stünde dafür bereit. (bpf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.1.2009)

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