Buhlen um Anlegergunst - Sektor droht auszutrocknen

23. Jänner 2009, 10:49
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Wien - Wegen des Vertrauensverlusts infolge der Finanzkrise kämpfen die heimischen Wohnbaubanken gegen eine drohende Austrocknung bei diesen für die Bauträger günstigen Wohnbau-Finanzierungen. Die s Wohnbaubank von Erste und Sparkassen buhlt jetzt um die Anlegergunst, im Februar will man trotz der Krise neue Anleihen auflegen. Man hofft auf eine Marktberuhigung in den kommenden Monaten, ansonsten droht das Emissionsvolumen heuer auf unter ein Drittel abzusacken.

"Wir sehen schon eine leichte Entspannung, aber der Finanzbedarf der Bauträger ist größer als wir derzeit an Mitteln aufstellen können", sagte Vorstandsdirektor Alexander Schaffer am Donnerstagabend vor Journalisten: "Wir würden eigentlich pro Jahr 300 bis 400 Mio. Euro Refinanzierung benötigen." 2008 hat die s Wohnbaubank noch 450 Mio. Euro an Emissionen untergebracht, nach 550 Mio. Euro im Jahr davor. Ab Herbst hätten sich die Anleger - überwiegend Privatpersonen - aber fast ausschließlich auf staatlich garantierte Produkte konzentriert, etwa auch Sparbücher.

Eine staatliche Hilfe wolle man als s Wohnbaubank oder auch als s Bausparkasse jedoch nicht in Anspruch nehmen, betonte Generaldirektor Josef Schmidinger. Sein diesbezüglicher Vorschlag Ende November sei als Reaktion auf die Aufrufe zu sehen gewesen, bei "bundesschatz.at" einzuzahlen. Aber, so Schmidinger jetzt: "Man soll nicht immer nach dem Staat rufen. Unsere Produkte sind sicher, das sind ertragreiche inländische Investitionen. Auch die Gemeinde Hartberg hätte vielleicht besser bei uns zeichnen sollen."

Höhere Mieten?

In den 15 Jahren ihres Bestehens habe die s Wohnbaubank rund 100.000 Wohnungseinheiten mitfinanziert, die Mieten seien dort mit 4,5 bis 5 Euro pro Quadratmeter günstig, so Schmidinger. Sollte die s Wohnbaubank aufgrund anhaltend erlahmenden Anleger-Interesses ihre Darlehenskonditionen verschlechtern müssen, könnte dies rund 15 Prozent höhere Mieten bedeuten, warnte Vorstandsdirektor Schaffer. Bis Herbst seien Wohnbauanleihen noch unbestritten gewesen, im 4. Quartal habe man aber nur noch 50 Mio. Euro brutto am Markt unterbringen können.

Im Februar wird die s Wohnbaubank zwei neue Anleihen anbieten, eine 13-jährige mit Monatskupon und eine 11-jährige mit jährlicher Zinszahlung. Beide Wohnbauanleihen werden mit rund 3,5 bis 3,7 Prozent Nettorendite nach KESt angeboten, je nach Zinsentwicklung in den nächsten Tagen. Dies entspricht einer vergleichbaren Spar-Verzinsung von 4,7 bis 4,9 Prozent vor KESt. Die ersten vier Zinsprozente sind bei Wohnbauanleihen von der Kapitalertragsteuer befreit.

Das Wohnbaubanken-System habe sich vor allem in Krisenzeiten mit hohen Volatilitäten durch seine langfristigen Refinanzierungen bewährt, betont der Vorstand der s Wohnbaubank. Die Wohnbaubanken könnten kurzfristige Marktschwankungen wesentlich besser abfedern, sodass man die höheren Refinanzierungskosten des Interbankenmarktes bis dato nur mit relativ geringen Aufschlägen auf der Darlehensseite weitergeben musste, heißt es. (APA)

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