Pfizer plant Megaübernahme

25. Jänner 2009, 17:32
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Der weltgrößte Pharmakonzern, bekannt als Hersteller von Viagra, will durch eine Übernahme von Wyeth seinen Abstand zur Konkurrenz weiter vergrößern

New York - Die lange vorausgesagte Konsolidierung des Pharmamarktes könnte in die nächste Runde gehen: Der weltgrößte Medikamentenhersteller Pfizer soll eine Übernahme seines bisherigen Konkurrenten Wyeth um die Rekordsumme von 60 bis 70 Milliarden Dollar (46 bis 54 Mrd. Euro) planen. Nach intensiven Verhandlungen am Wochenende könnte eine Übereinkunft bereits Anfang dieser Woche bekanntgegeben werden. Dies berichteten am Sonntag übereinstimmend New York Times und Wall Street Journal.

Pfizer erzielte 2007 einen Jahresumsatz von 48 Mrd. Dollar und war damit mehr als doppelt so groß als Wyeth mit einem Umsatz von 22 Mrd. Dollar. Die Fusion der beiden Unternehmen wird von Branchenbeobachtern seit langem erwartet und wird den Druck auf andere Pharmaunternehmen erhöhen, sich gleichfalls zusammenzu- schließen.

Einer der Gründe für Pfizers Drang zur Übernahme liegt im bevorstehenden Ablauf des Patentschutzes für seinen Cholesterin-Senker Lipitor im Jahr 2011. Lipitor ist das meistverkaufte Medikament der Welt und beschert Pfizer derzeit rund ein Viertel seines Umsatzes. Durch den Kauf von Wyeth will Pfizer sein Portfolio an Medikamenten breiter streuen. Pfizer hat sich in den vergangenen Jahren aus dem Endverbraucher-Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten bzw. Zusatzpräparaten zurückgezogen, in dem Wyeth stark tätig ist. Darüber hinaus ist Wyeth besonders gut bei Impfstoffen und Biotechnologie verankert. Diese Bereiche sind aufgrund der Komplexität der Herstellung weniger von Patentfragen und Generika-Konkurrenz bedrängt.

Gleichzeitig gebe es aber zwischen den beiden Konzernen eine Reihe von Überschneidungen, deren Bereinigung Milliarden sparen soll, erklären Analysten. Pfizer hat bereits in den beiden vergangenen Jahren unter der Ägide seines 2006 bestellten CEO Jeff Kindler ein Kostensenkungsprogramm durchgeführt. Dabei wurden einige Tausend Mitarbeiter eingespart, erst vor zwei Wochen wurde die Kündigung von 800 Forschern bekannt gegeben und weitere Personalsenkungen angedeutet. Allgemein wird erwartet, dass Kindler im Fall einer Fusion Chef des geeinten Konzerns werden würde.

Ein konkurrierendes Angebot für Wyeth sei aufgrund der Größe des Unterfangens unwahrscheinlich, schreibt das Wall Street Journal. Allenfalls käme dafür nur Johnson & Johnson infrage, an den Pfizer vor einigen Jahren sein Konsumentengeschäft verkauft habe;dies würde sich jedoch so stark mit den Angeboten Wyeths überschneiden, dass eine Fusion wenig Sinn habe. Einen Teil der Übernahme, die mit Bargeld und Aktien bezahlt werden soll, könnte Pfizer aus den substanziellen Barbeständen von Wyeth finanzieren. (spu, DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2009)

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