Encyclopedia Britannica wird zum Wiki

23. Jänner 2009, 10:19
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Das Standardwerk startet einen Angriff auf Wikipedia - Änderungen sollen von Redakteuren überprüft und alle 20 Minuten aktualisiert werden

Das englische Standardwerk Encyclopedia Britannica will in Zeiten des Mitmachwebs noch wettbewerbsfähig bleiben und lädt nun Nutzer ein, Artikel in der Online-Version zu erweitern und selbst zu verfassen. Jorge Cauz, Präsident des Britannica-Verlags, kündigte in einem Interview mit dem Sydney Morning Herald an, dass die Änderungen auf der Website noch vor dem kommenden Wochenende vorgenommen werden sollen.

Nur für Abonnenten?

Die Erweiterung soll nur der erste Schritt in einer Reihe von Änderungen seien. Damit will der Verlag vor allem die Rankings der Website bei Google verbessern. Cauz klagt, dass derzeit Wikipedia immer unter den erstgereihten Suchergebnissen zu finden ist. Während die Inhalte bei Wikipedia kostenlos zu Verfügung stehen, verlangt die Britannica eine Anmeldung für den Premium-Content. Zwar kann jeder die Artikel aufrufen, nach wenigen Sekunden erscheint jedoch ein Login-Fenster. Ob der Zugriff in Zukunft geöffnet werden soll, hat Cauz nicht gesagt.

Qualitätssicherung

Vorerst werden die Britannica-Artikel daher wohl nur von Abonnenten geändert, neue Texte sollen zudem nur von autorisierten Autoren angelegt werden können. Um die Qualität zu sichern, soll jede Änderung der von den professionellen Redakteuren verfassten Online-Artikeln von einem Verlags-Mitarbeiter oder freiberuflichen Redakteuren überprüft werden, bevor sie tatsächlich freigeschaltet wird. Dabei hat sich der Verlag das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Seite alle 20 Minuten zu aktualisieren. Zahlreiche Änderungen sollen zudem in die gedruckte Version übernommen werden, die alle zwei Jahre neu aufgelegt wird.

Kritik an Wikipedia

Mit der Anmeldung mit realem Namen und Adresse sowie der Überprüfung will Cauz die Qualität der Artikel sicherstellen. Wikipedia weise hingegen zahlreiche Lücken auf, was die Qualität betreffe. Nutzer würden das aber in Kauf nehmen. Eine derartige Qualitätskontrolle würde der Britannica zwar einen Vorteil verschaffen, fraglich ist jedoch, ob Nutzer dem kostenpflichtigen Content den frei und unkompliziert zugänglichen Wikipedia-Inhalten den Vorzug geben. (red)

  • Die Encyclopedia Britannica will Wikipedia Konkurrenz machen.
    screenshot: britannica.com

    Die Encyclopedia Britannica will Wikipedia Konkurrenz machen.

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