Qimonda hat Insolvenzantrag gestellt

23. Jänner 2009, 12:49
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Münchener Mutterkonzern Infineon bereitet sich auf Millionenlasten vor

München - Der strauchelnde Speicherchipproduzent Qimonda hat Insolvenzantrag eingereicht. Das sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts München am Freitag.

Infineon stellt sich wegen der Insolvenz seiner Speicherchip-Tochter Qimonda auf hohe Belastungen ein. Am Freitag kündigte der Konzern in München an, Rückstellungen über einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag zu bilden. Ein Teil der Lasten solle bereits im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal (Ende Dezember) verbucht werden. Infineon geht jedoch nicht davon aus, vor dem Ende des Geschäftsjahres 2008/09 (30. September) Zahlungen leisten zu müssen. Die möglichen "erheblichen Verbindlichkeiten" stünden im Zusammenhang mit laufenden kartell- und wertpapierrechtlichen Verfahren, der eventuellen Rückzahlung öffentlicher Fördermittel sowie mit möglichen Forderungen von Qimonda-Mitarbeitern.

Qimonda-Aktien verloren im Frankfurter Parketthandel deutlich und lagen in der Früh rund 40 Prozent im Minus. Auch die Titel des Qimonda-Aktionärs Infineon gaben nach.

Zuvor war bekannt geworden, dass Qimonda zusätzlichen Geldbedarf von rund 300 Mio. Euro hat. Damit benötigt der Konzern insgesamt rund doppelt so viel die im Rettungspaket vorgesehene Kapitalspritze - der Freistaat Sachsen, das Land Portugal und Infineon hatten vor Weihnachten Finanzhilfen von zusammen 325 Mio. Euro zugesagt. Daneben war eine Bund-Länder-Bürgschaft über 280 Mio. Euro vorgesehen.

Massiver Preisverfall

Qimonda hatte schon vor Weihnachten angekündigt, ohne finanzielle Hilfe Anfang 2009 in Zahlungsnot zu geraten. Der Konzern leidet wie seine Konkurrenten auch unter dem massiven Preisverfall für Speicherchips auf dem Weltmarkt.

Der Freistaat Sachsen war als Retter eingesprungen, weil Qimonda im Hauptwerk Dresden 3.200 Menschen beschäftigt. In Portugal arbeiten 1.800 Beschäftigte für den Konzern, weltweit sind es gut 12.000. Im Oktober hatte das Unternehmen angekündigt, ein Viertel der Stellen zu streichen, davon rund 1.500 in Deutschland. Infineon hält 77,5 Prozent der Qimonda-Anteile. In Österreich ist Infineon mit einem Werk in Villach und mehreren Entwicklungsstandorten vertreten.

Qimonda-Papiere verloren im Frankfurter Parketthandel deutlich und lagen am Morgen rund 40 Prozent im Minus. Die Aktien des Chipbauers sind in New York notiert. Sie waren am Vorabend um 28 Prozent auf 26 US-Cent abgestürzt. Die Aktien des Qimonda-Aktionärs Infineon gaben am Morgen um knapp acht Prozent nach.

In Österreich ist Infineon mit einem Werk in Villach und mehreren Entwicklungsstandorten vertreten. (APA/Reuters)

Hintergrund

Der Speicherchiphersteller Qimonda ist im Mai 2006 über eine Ausgliederung aus dem Infineon-Konzern, der auch in Österreich produziert, hervorgegangen. Im August des gleichen Jahres ging er an die New Yorker Börse. Das Unternehmen entwickelt und fertigt Speicherchips auf der Basis der 300-Millimeter-Silizium-Technologie. Sie werden in den unterschiedlichsten Bereichen angewandt - von Computern und Spielekonsolen bis hin zu Handys.

Im Geschäftsjahr 2006 erwirtschaftete Qimonda nach eigenen Angaben einen Umsatz von 1,79 Mrd. Euro. 77,5 Prozent der Anteile gehören noch Infineon. Der Mutterkonzern hatte sich bisher vergeblich um einen Investor für die krisengeschüttelte Tochter bemüht.

Weltweit hat Qimonda rund 12.200 Mitarbeiter an seinen Standorten in München, Dresden, Richmond (USA) und Porto (Portugal). Das größte Werk mit rund 3.200 Beschäftigten steht in Dresden. Hier werden unter unter anderem Fertigungs- und Prozesstechnologien für die Speicherproduktion entwickelt.

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