Täglich HSBC-Bericht, Madoff-System unerklärlich

23. Jänner 2009, 09:02
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Wien - Ferdinand Lacina, Aufsichtsratsmitglied der strudelnden Bank Medici, hat am Donnerstagabend erneut zurückgewiesen, vom Madoff-Skandal gewusst zu haben. Die Depotbank ("Custodian") der drei Fonds des Wiener Geldhauses, HSBC, habe die Verantwortung über die Produkte offenbar an den mutmaßlichem Milliardenbetrüger Bernard Madoff weitergeben. Die HSBC habe täglich an die Fonds über die Transaktionen berichtet, sagte der ehemalige SP-Finanzminister bei einer Veranstaltung des Forum Einkauf des Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeits-Zentrums (ÖPWZ) und des Österreichischen Gewerbevereins (ÖGV).

"Mir ist tatsächlich unklar, wie das technisch funktionieren konnte", meinte Lacina. Die HSBC habe zwar als Custodian das Recht, einen Subcustodian wie Madoff auszuwählen, habe dann aber auch die Verantwortung darüber. Nun gelte es zu klären, wer die Haftung übernehmen muss und welches Recht gilt.

Die Mehrheitseigentümerin der Bank Medici, Sonja Kohn, habe den Aufsichtsrat nicht über jede einzelne Transaktion in Kenntnis gesetzt, aber "die Grundstruktur war klar", so Lacina. Dass Kohn Madoff schon lange kennen soll, bedeutet für ihn nicht, dass sie vom Schneeball-System gewusst habe. "Madoff haben viele gekannt", sagte der ehemalige Politiker, der laut Firmenbuch in zehn Unternehmen als Aufsichtsratsmitglied fungiert. Es stelle sich auch die Frage, ob Mafoffs Modell von Anfang an als Ponzi-Plan angelegt gewesen sei oder ob man "ein bisschen hineingerutscht ist".

Wie es nun mit der kleinen Bank, in der momentan ein Regierungskommissär sitzt, weitergeht, sei Sache des Vorstands und der Aktionäre (Kohn und Bank Austria). Auch die Zukunft der "Medici Heritage Privatstiftung", in der Lacina neben Kohn und Christoph Badelt, Rektor der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) im Vorstand sitzt, sei unklar. Die 2007 gegründete Stiftung ist laut "Standard" mit 100.000 Euro ausgestattet und fördert unter anderem Forschungsarbeiten Publikationen und Lehrveranstaltungen zur "Erforschung von Chancen und Gefahren auf dem Gebiet der Veranlagungen von Vermögen und deren Strukturierung". "Es wäre schön", wenn die Stiftung weiterbestehen könnte, so Lacina am Rande der Veranstaltung, auf der er sich für eine länderübergreifende Regulierung der Finanzmärkte und eine Restrukturierung des Sozialstaats aussprach. (APA)

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