Warlord Laurent Nkunda gefasst

23. Jänner 2009, 17:46
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Abtrünniger Tutsi-General und Rebellenanführer wurde während eines Militäreinsatzes in Ruanda ergriffen

Ruandische Soldaten haben ihren ehemaligen Schützling, Rebellengeneral Laurent Nkunda, festgenommen. Nicht alle glauben, dass das automatisch mehr Frieden im zerrissenen Osten Kongos bedeutet.

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Seit Jahren galt Laurent Nkunda als Ruandas Mann im Osten Kongos. Geld und Waffen sollen aus dem kleinen Nachbarstaat im Osten an Nkunda geflossen sein. Als seine Truppen im Oktober auf die Provinzhauptstadt Goma zumarschierten, halfen ihm Ruandas Panzer. Ein UN-Bericht zitierte vor einigen Wochen Belege dafür, dass Nkunda seine Militäroperationen direkt mit dem Präsidialamt in Kigali abgesprochen habe. Dennoch wurde Nkunda am Donnerstagabend verhaftet - von denen, die ihn bisher unterstützt hatten.

"Nkunda wurde gegen halb elf Uhr abends von ruandischen Soldaten in Bunagana festgenommen, das ist die Grenzstadt vom Kongo nach Ruanda" , bestätigt der Sprecher der UN-Mission im Kongo, Jean-Paul Dietrich. Augenzeugen berichten, wie kurz zuvor Schießereien in der Stadt zu hören waren. Die gemeinsame Truppe aus kongolesischen und ruandischen Soldaten, die seit einigen Tagen im Ostkongo gegen Rebellen vorgeht, hatte Nkunda zuvor aufgefordert, sich zu ergeben. Doch als der Kampf begann, floh Nkunda nach Ruanda - und wurde kurz hinter der Grenze auf ruandischem Boden verhaftet.

Einer von Nkundas engsten Vertrauten, Jean-Desiré Muiti, konnte es am Freitag noch nicht fassen. "Nkunda ist zu Konsultationen nach Kigali gerufen worden", so Muiti. Das spricht dafür, dass Nkunda womöglich Opfer einer Täuschung wurde.

Kongos Informationsminister Lambert Mende feierte die Festnahme des abtrünnigen Generals als den Beginn des Friedens im Osten Kongos, der seit mehr als zehn Jahren vom Bürgerkrieg erschüttert wird. Er forderte die umgehende Auslieferung Nkundas. "Es gibt einen kongolesischen Haftbefehl gegen ihn, er ist Kongolese und er hat seine Verbrechen im Kongo begangen - sein Fall muss eindeutig im Kongo verhandelt werden."

Mende forderte Nkundas verbliebene Rebellen auf, sich der Regierungsarmee anzuschließen. "Mit Nkundas Festnahme ist seine Rebellion praktisch vorbei." Doch so optimistisch sind längst nicht alle. UN-Sprecher Dietrich etwa gab sich zunächst zurückhaltend. Bei Nkunda habe man zumindest gewusst, woran man war. "Jetzt müssen wir abwarten, wer nach Nkunda kommt, und hoffen, dass die versprochene Niederlegung der Waffen auch wirklich stattfindet."

Haftbefehl gegen Ntaganda

Dietrichs Skepsis gilt vor allem Bosco Ntaganda, der als starker Mann in der Rebellenbewegung gilt. Ntaganda hat zwar mehrfach versprochen, den bewaffneten Kampf zu beenden. Doch wegen des Einsatzes von Kindersoldaten wird er vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht.

Die Festnahme Nkundas ist der erste Erfolg der ersten gemeinsamen ruandisch-kongolesischen Militärmission, an der nach UN-Angaben mehr als 3500 ruandische Soldaten beteiligt sind. Bisher hatten die Führungen beider Länder vor allem davon gesprochen, militante Hutu-Extremisten zu verfolgen, die für den Völkermord in Ruanda verantwortlich gemacht werden. Stattdessen wurde nun Nkunda festgenommen, der im Namen der Opfer des Völkermords Angst und Schrecken verbreitete.

"Nkundas Truppen haben schwere Menschenrechtsverletzungen auf dem Gewissen" , sagt auch die Kongo-Expertin von Human Rights Watch, Anneke van Woudenberg. "Ihm muss ein Prozess gemacht werden, der internationalen Standards entspricht." (Marc Engelhardt aus Nairobi/DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der Anführer der Tutsi-Rebellen in der Demokratischen Republik Kongo, Laurent Nkunda.

     

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