Politposse um Italiens Rundfunkkommission

22. Jänner 2009, 20:02
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Die italienische Regierung löst die Rundfunkkommission auf, um Riccardo Villaris loszuwerden

Bis vor wenigen Wochen war er ein unbeschriebenes Blatt.

Doch mittlerweile ist das rundliche Gesicht Riccardo Villaris fast allen Italienern geläufig. Der 52-jährige Arzt aus Neapel steht im Mittelpunkt einer politischen Operette, wie sie nur Italiens trickreicher Parteienzirkus zu inszenieren versteht.

Der katholische Hinterbänkler des Partito Democratico fand sich unversehens in einem Amt wieder, um das er sich nie beworben hatte. Dass Villari zum Präsidenten der parlamentarischen Rundfunk- und Fernsehkommission gewählt wurde, wertete der Partito Democratico als "beispiellosen Eklat". Denn für das ihr zustehende Amt hatte die Opposition den ehemaligen Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando, benannt.

Den lehnte das Rechtsbündnis ab, weil er der Partei des kompromisslosen Berlusconi-Gegners Antonio Di Pietro angehört. So entschloss sich die Regierungsallianz nach einer Serie ergebnisloser Wahlgänge zum Handstreich und beförderte Villari zum Präsidenten.

Die entrüstete Opposition forderte den Christdemokraten umgehend zum Rücktritt auf. Der Weigerung folgte der Parteiausschluss. Mittlerweile haben sich die politischen Lager auf einen ehemaligen Rai-Journalisten als Präsidenten verständigt. Doch obwohl die Mitglieder die Sitzungen der Kommission boykottieren, harrt Villari unbekümmert auf seinem Posten aus.

Einen Appell der beiden Parlamentspräsidenten, sein Amt zur Verfügung zu stellen, ignorierte er. Angesichts der verfahrenen Lage soll der Teufel nun mit Beelzebub ausgetrieben werden - durch Auflösung der Rundfunkkommission.(Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2009)

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