Existenzialist unter Oscar-Verdacht

22. Jänner 2009, 18:26
20 Postings

Kopf des Tages: Der österreichische Regisseur Götz Spielmann wurde für einen Auslands-Oscar nominiert

Schön langsam könnte man sich daran gewöhnen: Erst im vergangenen Jahr wurde Stefan Ruzowitzkys KZ-Drama Die Fälscher mit einem Oscar ausgezeichnet, und nun könnte sich das Szenario gar wiederholen. Mit Götz Spielmanns Rache-Thriller Revanche ist erneut ein österreichischer Spielfilm in der Kategorie "Bester ausländischer Film" im Rennen. Und egal, wie hochkarätig die Konkurrenz ist: Schon das ist ein außerordentlicher Erfolg. Er zeigt auf, dass dem österreichischen Kino international so viel Aufmerksamkeit zuteil wird wie noch selten davor.

Doch bevor die Rede vom nationalen "Filmwunder" die Runde macht, sollte man diesen Moment der Freude ganz Götz Spielmann und seinem Team lassen. Tatsächlich hat der Regisseur, der bereits mit 16 Jahren einen Film über einen Schülerfreitod drehte - der dann sogar im Fernsehen zu sehen war -, mit Revanche seine bisher dichteste Arbeit vorgelegt. Das Drama um ein durch Schuld verbundenes Figurendreieck hat Spielmann auch selbst geschrieben und produziert. Seit der Film auf der letzten Berlinale uraufgeführt wurde, tourte er durch Weltfestivals und gewann mehrfach Preise - nicht nur auf der Diagonale.

Spielmann, 1961 in Wels geboren, studierte an der Wiener Filmakademie Drehbuch und Regie - dort entstehen seine ersten Filme, die alle um existenzialistische Motive kreisen, formal aber recht unterschiedlich sind. Nach dem Studium versucht er sich von ästhetisch einengenden Vorgaben zu lösen. In Filmen wie Erwin und Julia rückt er als Regisseur zunehmend die Arbeit mit Schauspielern ins Zentrum - auf "emotionale Vitalität" legt er stets besonderen Wert, ein Resultat seiner Liebe zum Theater. In der Schnitzler-Adaption Spiel im Morgengrauen tritt er 2001 auch selbst vor die Kamera, unlängst schrieb und inszenierte er für die Bühne.

Spielmanns Laufbahn ist allerdings nicht frei von Brüchen. Zwischen 1994 und 1999 fällt er in ein kreatives Loch und scheitert mit mehreren Projekten im Entwicklungsstadium. Parallel dazu führt die Karriere der Regiekollegen Ulrich Seidl und Michael Haneke, die schneller über eine unverwechselbare Handschrift verfügen, sukzessive nach oben. Doch Spielmann, der sich gerne neuen Herausforderungen stellt, beweist Ausdauer und arbeitet sich Schritt für Schritt zurück. Mit dem Episodenfilm Antares, der stellenweise noch zu epigonal erscheint, landet er einen Achtungserfolg. Revanche zeigt endlich einen Regisseur, der ganz zu sich selbst gefunden hat. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.1.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Euphorie durch Oscar-Nominierung: Götz Spielmann (rechts) und Hauptdarsteller Johannes Krisch.

Share if you care.