Eine ist wie alle

22. Jänner 2009, 18:03
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Die Vielfalt im Handel sinkt, die Uniformität der Shoppingstraßen steigt

Wien - Wer in Österreich eine große Einkaufsstraße kennt, der kennt sie bald alle: Kaum eine Geschäftszone, die nicht dieselben Handelsketten führt, auf denselben Ladenbau setzt und auf dasselbe Sortiment. Die Uniformität der Shoppingstraßen steigt, belegt eine aktuelle Studie des Marktforschers Regioplan. Immer weniger Marken bestimmen das Straßenbild, diese breiten sich dafür auf immer größeren Flächen aus und drängen Kleine ins Eck.
Der Trend dazu hat schon lange eingesetzt. Große, überwiegend internationale Handelsriesen ziehen sukzessive flächendeckende Filialnetze auf. Viele scheuen auch vor mehreren Standorten in einer Zone nicht zurück. Die Dessous-Kette Palmers etwa betreibt 36 Läden in den 20 wichtigsten Straßen. Marionnaud kommt auf 30 Märkte in 18 Straßen. Auch Niedermeyer, Bipa, Orsay und Humanic sind dort beinahe flächendeckend vertreten.

Vielfalt bleibt auf der Strecke

Auf der Strecke bleibt Vielfalt. Individuellere Angebote beschränken sich zunehmend auf teure Lagen, auf den Wiener Graben etwa, und die Salzburger Getreidegasse. Wirklich zu stören scheint das die meisten Konsumenten aber nicht. In Zeiten der Reizüberflutung orientierten sich Kunden gerne an bekannten Symbolen, meinen Marktforscher. Kein Betreiber könne es sich heute mehr erlauben, bei der Auswahl der Mieter auf Leitbetriebe im Handel zu verzichten, tönt es auch aus den Shoppingzentren.
Für viele kleinere Anbieter sind die Flächen ohnehin nicht länger leistbar. Die Expansion internationaler Konzerne treibt die Mietpreise rasant nach oben. Das wird dann selbst den nicht eben finanzschwachen Lebensmittelketten zu teuer: Supermärkte weichen in günstigere Seitengassen oder in die Wohngebiete aus. Dort gibt es meist auch mehr Parkplätze. Denn Lebensmittel in öffentlichen Verkehrsmitteln zu befördern, dem können die Ös-terreicher laut Regioplan nur noch wenig abgewinnen.

Einkaufsstraßen verlieren an Bedeutung

Einkaufsstraßen verlieren in der Folge, anders als straßenShoppingzentren, für die Nahversorgung stark an Bedeutung. Sie decken vielmehr den mittelfristigen Bedarf, und die Textilien sind ihr Kundenmagnet. Fast die Hälfte der Verkaufsflächen entfällt mittlerweile auf Bekleidungs- und Schuhmärkte. Zum Vergleich: In Einkaufscentern liegt der Textilanteil bei rund einem Drittel.
Unterm Strich haben filialisierte Unternehmen in Österreich bereits mehr als die Hälfte der Einkaufszonen in ihrer Hand, in Einkaufsstraßen besetzen sie sogar 65 Prozent der Fläche. Traditionell am höchsten ist der Filialisierungsgrad im Lebensmittel- und im Drogeriehandel mit 90 bzw. 86 Prozent. Nur unwesentlich geringer ist die Dominanz der Ketten im Schuhgeschäft.
Die Mehrheit der Einkaufsstraßen bleibt ein glattes Parkett. Zugewinne erzielen können nur zehn Prozent, die Hälfte verliert Passanten, Umsätze und Mieter. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.1.2008)

 

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