Volle Tonnen drücken auf Preise

22. Jänner 2009, 17:53
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Mit Altpapier ist derzeit kein Geschäft zu machen.Geringere Papierproduktion, übervolle Altpapierlager und ungebremste Sammelleidenschaft drücken auf die Preise

Wien - "Bummvoll" sind die Altpapierlager, bestätigt Werner Knausz, Vorstand der Altstoff Recycling Austria, ARA. Was in guten Wirtschaftszeiten ein begehrter Rohstoff für die Papierindustrie ist, findet derzeit keine Abnehmer. Konnte man vor etwa einem Jahr noch 70 bis 100 Euro je Tonne gemischtes Altpapier erlösen, sind die Händler derzeit froh, wenn sie fünf Euro erhalten. Meistens bekommen sie nämlich gar nichts.
Der Markt für Altpapier ist total eingebrochen, bestätigen Sammler und Händler. Da der Papierverbrauch (und damit der Anteil an Altpapier, der gewissen Papiersorten beigemischt wird) mit der Wirtschaftslage korreliert, ist die Nachfrage nach Altpapier so niedrig wie noch nie seit Einführung der getrennten Abfallbehandlung.
Auch in Osteuropa und Asien, wo das Altpapier noch vor ein paar Monaten erfreute Abnehmer fand, ist die Nachfrage weggebrochen. Vor allem die Verpackungspapierhersteller benötigen Altpapier. Das Geschäft mit dem Verpackungspapier aber ist wegen der schlechten Wirtschaftslage abgerissen.
Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht, erklärt Knausz. Im Dezember wurde ein Krisengipfel abgehalten, bei dem Ersatzlager benannt wurden, in denen das überschüssige Papier gebunkert werden könnte. Dieser Notfallplan wurde - noch - nicht umgesetzt.

Entsorgungssicherheit

Doch gebe es in Österreich weiterhin so etwas wie "Entsorgungssicherheit" betont Knausz. Das bedeutet: Die Papierkübel vor Einfamilienhäusern und die Papiercontainer auf den "Mistinseln" in den Städten werden weiterhin entleert, obwohl das Altpapier eigentlich nicht gebraucht wird und für die privat organisierten Entsorger und Sammelfirmen nur noch ein Verlustgeschäft ist.
Nicht so in Teilen Deutschlands, wo die Recyclingfirmen die Altpapiertonnen einfach nicht mehr entleeren wollen. Solange sie nicht wissen, wohin mit dem Papier, würde die Aufgabe am liebsten wieder an die Gemeinden zurückdelegiert werden. In einigen Städten in Baden-Württemberg und in Bayern wurden (Gratis-)Abholdienste eingestellt. Und ein traditionell großer Abnehmer von deutschem Altpapier, China, nahm einige volle Containerschiffe einfach nicht an, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Die Schiffe mussten vollbepackt wieder zurück.
Erhöhungen bei den Müllgebühren seien nur mehr eine Frage von Zeit, wird in der Branche spekuliert. Wenn mit dem Abfall nichts mehr zu erlösen ist und gleichzeitig höhere Lagerkosten anfallen, wird der Österreicher, dessen hohe Sammelmoral immer gelobt wurde, bald zur Kasse gebeten werden.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.1.2009)

 

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