Zweiter Anlauf für wächserne Promis

22. Jänner 2009, 18:26
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Das Geschäft am Pratervorplatz soll endlich brummen - dank kleiner Faceliftings und Madame Tussaud

Wien - Die Chancen, dass Wien doch noch ein Wachsfigurenkabinett bekommt, stehen laut Peter Petritsch derzeit recht gut: "Wir sind in ständigen Verhandlungen mit der Merlin-Group, sie hat großes Interesse daran, Madame Tussauds in den Prater zu bringen."

Die ersten Gespräche zwischen dem Riesenradbetreiber, der das neue Entree mitfinanziert hat, und dem britischem Unterhaltungsriesen in Sachen wächserner Promi-Schau am Pratervorplatz waren vergangenes Frühjahr gescheitert. Dass jetzt weiterverhandelt wird, habe laut Petritsch vor allem mit dem Umstand zu tun, dass er bei Merlin einen neuen Ansprechpartner habe. "Sein Vorgänger hat das Unternehmen verlassen."

Ob sich der Konzern irgendwann tatsächlich im bunten Kulissenbau über dem Restaurant Eisvogel einmietet - und mit der Calafati-GmbH, in der Petritsch Geschäftsführer ist, einen Unterpachtvertrag aushandelt - ist dennoch offen. Der erste Versuch von Merlin, sich im Prater niederzulassen, scheiterte an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Heuer werde man aber so oder so endlich richtig durchstarten können, sagt Petritsch. "Das wahre Leben beginnt erst jetzt, nachdem der Konkurs erledigt ist und wir uns auf neue Ziele konzentrieren können."

Das umstrittene, gut 60 Millionen teure Entree, dessen Generalbauunternehmer Explore 5 D kurz vor der EURO in die Zahlungsunfähigkeit schlitterte, soll bis zur Saisoneröffnung Mitte März noch einmal aufgeputzt werden. Mittels Sitzbänken, Tonbeschallung, neuer Kulissenelementen und Videoinstallationen will man künftig nicht nur Touristen, sondern auch Wiener auf den Platz locken.

Ermittlungen laufen

Dass der neue Eingang, der zur Hälfte aus Mitteln der Stadt Wien finanziert wurde, mehr Besucher in den Wurstelprater locke, sei jedenfalls schon im ersten halben Jahr nach dessen Fertigstellung zu bemerken gewesen, sagt Petritsch: "Nach der Euro verzeichneten wir einen deutlichen Besucherzuwachs, der Höhepunkt stellte der Dezember dar, da hatten wir 35 Prozent mehr Besucher."

Auch Nobert Kettner, Chef von Wientourismus, ist überzeugt, dass der "Platz touristisch und ökonomisch funktioniert" . "Wir müssen nur aus der Spirale der Skandalisierung herauskommen." Das Kontrollamt stellte Ende vergangenen Jahres im Zusammenhang mit der Errichtung der Kulissenbauten schwere Mängel bei der Auftragsvergabe fest.

Nach einer Sachverhaltsdarstellung der Grünen ist das einstige Prestigeprojekt von Vizebürgermeisterin Grete Laska (SP) inzwischen auch ein Fall für die Staatsanwaltschaft.
Wann die Ermittlungen abgeschlossen sind, ist laut Staatsanwaltschaft derzeit noch nicht absehbar. Der Akt zur Prater-Causa umfasst über 1000 Seiten. (Martina Stemmer, DER STANDARD - Printausgabe, 23. Jänner 2009)

  • Der 60 Millionen Euro teure Platz vor dem Riesenrad soll mittels zusätzlicher Kulissen und Sitzgelegenheiten aufgemöbelt werden.
    foto: standard/andy urban

    Der 60 Millionen Euro teure Platz vor dem Riesenrad soll mittels zusätzlicher Kulissen und Sitzgelegenheiten aufgemöbelt werden.

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