Renommierter Historiker zerpflückt Stauffenberg-Film

22. Jänner 2009, 17:58
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Geschichtsprofessor Peter Steinbach kritisiert zahlreiche Fehler und findet Darstellung der Mitverschwörer "verletzend und verantwortungslos"

Hamburg - Der Berliner Geschichtsprofessor Peter Steinbach, einer der führenden Kenner des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, hat an Tom Cruises Stauffenberg-Film kein gutes Haar gelassen. "Operation Walküre" sei an vielen Stellen "unsäglich falsch", erklärte Steinbach im "Hamburger Abendblatt". Der Historiker leitet die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.

Als Beispiele nennt Steinbach, dass Stauffenberg anders als im Film gezeigt nicht die Walküre-Pläne ausgearbeitet habe und auch nicht die Unterschrift Hitlers unter diese Pläne abgeholt habe. Stauffenberg habe auch kein Tagebuch geführt, sei nicht in einer Ju 52 zu dem Attentat geflogen und habe sich auch nicht am Morgen vor dem Anschlag beim Rasieren absichtlich geschnitten.

"Herabwürdigend"

Steinbach räumte ein, dass ein Thriller "auf fantastische Weise" überhöhen dürfe und Kritik an Details "oberlehrerhaft" sei. Allerdings kritisierte er scharf die Darstellung der anderen Widerstandsmitglieder in "Operation Walküre": Das Goerdeler-Bild des Films sei "verletzend und verantwortungslos", die Darstellung von General Olbricht "herabwürdigend".

Der 46-Jährige Cruise spielt den Hitler-Attentäter. Erzählt wird die Geschichte der Attentäter des 20. Juli 1944: Sie wollten Hitler mit einer Bombe töten und eine Übergangsregierung bilden. Ihren Plan des Regimewechsels, der scheiterte, nannten sie "Walküre". Etwa 200 Menschen wurden von den Nazis im Zusammenhang mit dem Attentat hingerichtet, darunter Stauffenberg. (APA/red)

Link
+ "Zu komplex für Hollywood" - Interview mit Peter Steinbach im Tagesspiegel
+ Stichwort: Claus Schenk Graf von Stauffenberg

Zum Thema
+ Freundlicher Beifall für "Operation Walküre" - auf derStandard.a/Kultur

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    Claus Schenk Graf von Stauffenberg in einer Aufnahme aus dem Jahr 1934.

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