Beträchtliche Verluste durch Finanzkrise

22. Jänner 2009, 15:21
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Die "durchaus beträchtlichen" Aktienkursverluste betreffen vor allem vermögende Haushalte und sollten sich nur gering auf den Konsum auswirken

Wien - Die "durchaus beträchtlichen Verluste", die die Österreicher durch die Finanzkrise seit Mitte 2007 erlitten haben, sollten sich auf das Konsumverhalten der privaten Haushalte kaum auswirken, so die Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in einer in der Publikation "Geldpolitik & Wirtschaft " (Heft 4/2008) publizierten Studie. Dagegen wird eine Kreditverknappung nicht ausgeschlossen. Andererseits werden die erhöhten Refinanzierungskosten von den Banken gegenüber ihren Stammkunden abgefedert.

24 Milliarden Verlust

Der gesamte Haushaltssektor - neben den privaten Haushalten zählen dazu auch selbständig Erwerbstätige, private Organisationen ohne Erwerbszweck und private Stiftungen - hat laut OeNB seit Beginn der Finanzkrise Mitte 2007 bis zum dritten Quartal 2008 durch Wertpapierverluste rund 24 Mrd. Euro verloren, wobei 7 Mrd. Euro alleine auf die Privatstiftungen entfallen. Dies entspricht etwa 20 Prozent des gesamten Wertpapierbestandes dieses Sektors, bzw. 14 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens oder 5 Prozent des gesamten Bruttogeldvermögens.

"Es handelt sich also durchaus um beträchtliche Verluste, obwohl der Anteil der in diesen Veranlagungen gehaltenen Vermögensbeständen nur rund 30 Prozent beträgt", so die OeNB-Studienautoren Gerhard Fenz und Primin Fessler. Über 50 Prozent des Geldvermögens des Haushaltssektors werden in Bargeld und Einlagen gehalten.

Vermögende Haushalte

Da sich der Besitz von Wertpapieren auf vermögende Haushalte konzentriere, sollten es aus den Aktienkursverlusten kaum Effekte auf die Konsumausgaben geben, so die Autoren. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass der weitreichende Charakter der Krise etwa über Vertrauensverluste stärkere Effekte nach sich ziehen könnte.

Zu bedenken sei aber, dass Pensionskassen und Lebensversicherungen nicht gesondert für private Haushalte ausgewiesen werden. Für private Haushalte entstünden auch Verluste aus Pensionskassen, wobei 300 Mio. Euro auf Verluste in bereits laufende Auszahlungen und 600 Mio. Euro auf Anwartschaften entfallen, bei denen es fraglich sei, inwieweit es sich hierbei um permanente Verluste handle.

Kreditklemme nicht auszuschließen

Eine andere OeNB-Studie kommt zum Ergebnis, dass die Entstehung einer Kreditklemme in Österreich auf Basis der derzeit vorliegenden Daten nicht ausgeschlossen werden könne. "Umso wichtiger erscheint die rasche Umsetzung der im Bankenpaket vorgesehenen Maßnahmen, damit die Finanzierung der österreichischen Unternehmen weiter aufrecht erhalten werden kann", so Studienautor Walter Waschiczek.

Die österreichischen Banken haben seit Ausbruch der Krise die Kreditzinsen tendenziell weniger stark angehoben, als dies in der Vergangenheit unter "normalen" Bedingungen zu erwarten wäre, so das Ergebnis einer weiteren OeNB-Studie. "Das Hausbankenprinzip scheint zumindest die Stammkunden vor zu großen Zinsschwankungen zu schützen", so die Autoren Claudia Kwapil und Clemens Jobst. Die Banken würden klar zwischen Kundengruppen unterscheiden. (APA)

 

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