"Bestätigung für Leidenschaft und Arbeit"

22. Jänner 2009, 14:57
167 Postings

Regisseur Götz Spielmann zur Oscar-Nominierung "Revanche": "Ich freue mich auf die Zeremonie"

 Los Angeles - Der Österreicher Götz Spielmann ist mit seinem Film "Revanche" für einen Oscar nominiert. Das Drama ist, wie auch der deutsche Streifen "Der Baader Meinhof Komplex", unter den fünf ausgewählten Filmen für die beste nicht-englischsprachige Produktion. Auch der Münchner Regisseur Werner Herzog hat Chancen: "Encounters at the End of the World" ("Begegnungen am Ende der Welt"), nominiert bei den Dokumentationen, porträtiert in dem Film das Leben und die Arbeit von Forschern in der Antarktis.

Die Nominierungen wurde von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Donnerstag  bekanntgegeben. Mit 13 Nominierungen für die Verleihung am 22. Februar hat es der David-Fincher-Film "Der seltsame Fall des Benjamin Button" (Österreich-Start am 30.1.) mit Cate Blanchett und Brad Pitt in den Hauptrollen die selbe Anzahl an Oscar-Chancen wie einst "Vom Winde verweht" und "Der Herr der Ringe - Die Gefährten", nur "All About Eve" und "Titanic" wurden 14 mal nominiert. Hinter "Benjamin Button" fuhr "Slumdog Millionaire" zehn Nominierungen ein, "The Dark Knight'' und "Milk'' erreichten jeweils acht, der Animationsfilm "Wall-E" sechs.

Ins Rennen um die Auszeichnung als "Bester Schauspieler" gehen Richard Jenkins, Frank Langella, Sean Penn, Brad Pitt und Mickey Rourke. "Beste Schauspielerin" könnten Anne Hathaway, Angelina Jolie, Melissa Leo, Meryl Streep und Kate Winslet werden. Die zweifache Oscar-Gewinnerin Meryl Streep hat mit ihrer Nominierung für "Doubt" ihre fünfzehnte Oscar-Nominierung realisiert. Das ist neuer Rekord. Katharine Hepburn und Jack Nicholson wurden jeweils zwölfmal nominiert.

Mit "Benjamin Button" um den Titel "Bester Film" rittern "Frost/Nixon", "Milk", "Der Vorleser" und "Slumdog Millionär". Die dazugehörigen Regisseure David Fincher ("Benjamin Button"), Ron Howard ("Frost/Nixon"), Gus Van Sant ("Milk"), Stephen Daldry ("Der Vorleser") und Danny Boyle ("Slumdog Millionär") wetteifern um die Auszeichnung als "Bester Regisseur".

Genau ein Jahr nach seinem Tod ist der australische Schauspieler Heath Ledger für einen Oscar vorgeschlagen worden, für seine Nebenrolle als Joker in dem Batman-Abenteuer "The Dark Knight". Ebenfalls als Beste Nebendarsteller sind Robert Downey Jr. ("Tropic Thunder"), Philip Seymour Hoffman ("Doubt"), Josh Brolin ("Milk") und Michael Shannon ("Revolutionary Road") nominiert.

Bei den Nebendarstellerinnen tritt Penelope Cruz ("Vicky Cristina Barcelona") gegen Amy Adams ("Doubt"), Viola Davis ("Doubt"), Taraji P. Henson ("Benjamin Button") und Marisa Tomei ("The Wrestler") an.

"Kleines österreichisches Filmwunder"

In das Rennen um den Auslands-Oscar gehen neben "Revanche" und "Der Baader Meinhof Komplex"  der französische Cannes-Gewinner "Die Klasse" von Laurent Cantet, der israelische Golden-Globes-Triumphator "Waltz with Bashir" sowie der japanische Film "Departures".

"Revanche" ist eine Produktion von Prisma Film und Spielmannfilm, hergestellt mit Unterstützung des Österreichischen Filminstituts, des ORF (Film-/Fernsehabkommen), des Filmfonds Wien und des Landes Niederösterreich. Der Film wurde auf der Berlinale 2008 uraufgeführt und international bereits mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. In Österreich gewann das Drama mit Johannes Krisch, Ursula Strauss, Irina Potapenko, Andreas Lust und Hannes Thanheiser u.a. den "Großen Diagonale-Preis für den besten Spielfilm".

Die Austrian Film Commission (AFC) freut sich in einer ersten Reaktion über "ein kleines österreichisches Filmwunder" und gratuliert dem Regisseur sowie den Produktionsfirmen Prisma Film und Spielmannfilm "zum sensationellen Erfolg". AFC-Geschäftsführer Martin Schweighofer: "Eigentlich haben wir schon gewonnen. Alles, was jetzt noch kommen mag, daran wollen wir heute noch gar nicht denken. Ein Feiertag für Götz Spielmann und den österreichischen Film."

Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny sprach von einer "berechtigten Oscar-Nominierung für einen hervorragenden Film". In Hinblick auf die "hervorragenden Nachrichten vom österreichischen Film" betonte Mailath-Pokorny, dass das "jüngst geschnürte Filmpaket durch die Stadt Wien" jene weiter unterstützen werde, die für das "österreichische Filmwunder zuständig sind, nämlich die Filmschaffenden".

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz freut sich über einen "weiteren sehr beachtlichen Schritt für das Filmland Österreich". Die Nominierung des u.a. vom ORF geförderten Streifens zeige "einmal mehr, welche große internationale Reputation mittlerweile das kreative Schaffen der heimischen Filmszene hat". ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz sieht angesichts der erneuten österreichischen Beteiligung an der Oscar-Gala einen "Gewöhnungseffekt mit großem Wohlfühlfaktor".

"Hoch erfreut" reagierte Kulturministerin Claudia Schmied auf die Nominierung: "Nach dem großen Erfolg von Stefan Ruzowitzkys 'Die Fälscher' im vergangenen Jahr ist die Nominierung von 'Revanche' ein weiterer Beweis für die herausragende Qualität des österreichischen Films", hieß es in einer Aussendung. "Diese Nominierung bestärkt mich darin, das große kreative Potential unserer Filmschaffenden noch besser finanziell zu fördern", so Schmied. Die Nominierung werde auch die Marktpräsenz des österreichischen Films stärken.

Spielmann: "Bestätigung für Leidenschaft und Arbeit"

Götz Spielmann sah die Oscar-Nominierung in einer Reaktion als "eine Bestätigung mehr dafür, dass es sich lohnt, in diese Leidenschaft und Arbeit zu investieren". Darüber viel nachdenken, wie die Chancen für seinen Film bei der Verleihung sind, will Spielmann nicht: "Ich hab da weder ein Hoffen noch ein Bangen. Ich freue mich auf die Zeremonie. Es ist sicher schön, einmal dort gewesen zu sein."

Spielmann hält es für "sinnlos", seinen Film "Revanche" mit den weiteren nominierten Streifen zum nicht-englischsprachigen zu vergleichen. "Das ist ja kein Sportwettbewerb, wo es darum geht, wer fährt schneller die Streif herunter. Das kann man messen und alle haben exakt die selbe Aufgabe", so Spielmann. "Filme haben ihre Qualität genau durch's Gegenteil: durch ihre Individualität und Einzigartigkeit."

Dass im Vorjahr ein österreichischer Film, "Die Fälscher", als bester nicht-englischsprachiger Film ausgezeichnet wurde und auch im Jahr davor mit "Das Leben der anderen" ein deutschsprachiger Film zum Zug kam, "ist sicher kein Vorteil", sagte Spielmann. "Es könnte sein, dass das ein kleiner Nachteil ist. Den Nachteil nehme ich gerne in Kauf, weil ich mich sehr gefreut habe über den Oscar vom Stefan Ruzowitzky."

Sorgen davor, dass Spielmann im Schatten Ruzowitzkys stehen könnte, wenn er den Oscar-Erfolg nicht wiederholen kann, hat Spielmann nicht: "So funktioniert das nicht zwischen uns Filmemachern. Der Stefan war einer der allerersten, die mich angerufen haben und gratuliert haben", schilderte der Regisseur von u.a. "Antares" und "Die Fremde", die beide ebenfalls ins Rennen um die Auslands-Oscars geschickt worden waren, aber nicht nominiert wurden. Ruzowitzky freue sich "wahnsinnig, dass wir das heuer auch geschafft haben. Es gibt Gott sei Dank im österreichischen Film sehr viele Leute, die wissen, dass es hier nicht um Konkurrenz geht, sondern um Gemeinsames, und dass Filme so verschieden sind in ihrer Individualität und künstlerischen Grundhaltung, dass viele ihren Platz und ihre Berechtigung haben."

Angesprochen auf die wiederholten Forderungen nach mehr Budget für den österreichischen Film, sagt Spielmann: "Ich hoffe, dass die Nominierung mithilft." Denn die Nominierung zeige wieder einmal, "dass wir, die wir Filme machen in diesem und für dieses Land, ungeheuer gute Arbeit tun." Zur Arbeit an seinem nächsten Projekt werde er jetzt sobald nicht kommen: "Ich fürchte, die Arbeit an meinem nächsten Film muss ein bisschen zurückstehen", so Spielmann. Was sein nächstes Projekt wird, könne er nicht sagen: "Das hätte ich Ihnen wahrscheinlich in drei Wochen sagen können, wenn wir nicht nominiert worden wären. Aber so muss das noch ein bisschen warten."

"Foreign Language-Filme unvorhersehbar"

Vorjahrssieger Ruzowitzky glaubt an intakte Chancen: "Der Vorteil ist, dass das keine kleine Gruppierung ist, die strategisch denkt, sondern ein Haufen von Einzelpersonen. Denen ist das wurscht, dieses Nationen-Denken kommt mehr von der Öffentlichkeit. Ich glaube, als Filmemacher denkt man ein bisschen internationaler. Dass der Film zufälligerweise aus demselben Land kommt wie der Vorjahressieger, ist für die relativ irrelevant."

Eine Prognose über den Sieger traue er sich nicht abzugeben. "Man kann's nicht sagen, es ist jedes Jahr so, dass gerade die Foreign Language-Filme unvorhersehbar sind. Das ist eine Kategorie, wo die Golden Globes keinen Hinweis geben. Schließlich waren 'Die Fälscher' da nicht mal nominiert". Nach der "Papierform ist 'Waltz with Bashir' ein Favorit, aber vor ein paar Wochen sagte ich noch, es ist 'Gomorrha', der jetzt nicht einmal unter den letzten neun war". Die Nominierungen in den großen Kategorien seien "keine großen Überraschungen, das sind die fünf Filme, die jeder auf seiner Liste gehabt hat", so Ruzowitzky. Aber: "Wer leer ausgegangen ist, ist zum Beispiel 'Revolutionary Road' (Zeit des Aufruhrs)".

Als Signal für die Politik sei diese Nominierung wichtig: "Ich hab damals schon gesagt, dass man den Erfolg von den 'Fälschern' in einer Reihe von Erfolgen für österreichischen Film sehen muss", so Ruzowitzky, "Aber dass zwei österreichische Filme in so knappem Abstand nominiert werden, ist etwas besonders." Auch Hanekes "Caché" hätte damals Chancen gehabt, "das ist alles schon kein Zufall. Im Sinne von 'Steter Tropfen höhlt den Stein', ist es super, wenn die Leute mit der Nase drauf gestoßen werden, was die Politik versäumt, wenn sie nicht mehr in die Branche investiert." (APA)

 

Im Überblick: Alle Nominierungen nach Kategorien


"Revanche" erhält ab 29. Jänner eine Wiederaufnahme in den österreichischen Kinos. Der Film ist bereits auf DVD erhältlich; es gibt auch ein von Andreas Ungerböck herausgegebenes Materialien-Buch - und beides zusammen ist in einer Special-Edition des Filmmagazins "ray" erhältlich, bestellbar etwa unter shop.filmladen.at.

  • Johannes Krisch und Ursula Strauss in "Revanche"
    foto: filmladen

    Johannes Krisch und Ursula Strauss in "Revanche"

Share if you care.