Österreich geizte im Vorjahr mit Asyl-Zuerkennung

22. Jänner 2009, 15:46
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Nur halb so viele Menschen bekamen in zweiter Instanz Asyl - Starker Rückgang bei Asyl für Tschetschenen

Wien - Weniger Asylanträge, aber auch weniger positive Asylbescheide: Das ist die Bilanz des Vorjahres, wie sie vom UNO-Flüchtlingshochkommissariat UNHCR am Donnerstag bekannt gegeben wurde.

Weniger positive Asylbescheide

Nur halb so viele Menschen wie 2007 bekamen im Vorjahr in zweiter Instanz Asyl zuerkannt. Das liegt nicht nur an der gesunkenen Zahl der Asylanträge, sondern auch an einem restriktiveren Vorgang der Behörden: Während die Anerkennungsrate in den Jahren 2004 bis 2006 zwischen 40 und über 50 Prozent pendelte und noch im Jahr 2007 bei 44 Prozent lag, ging es vor allem in der zweiten Jahreshälfte 2008 steil bergab: Nach 35,5 Prozent in den ersten neun Monaten waren es am Jahresende 2008 nur noch 31,2 Prozent. Das ist ein Fünfjahrestief.

5512 Asylsuchenden beschied die zweite Instanz 2008 keine Asylgründe. Im Vergleich dazu erhielten 2007 nur 4034 Personen einen negativen Bescheid in zweiter Instanz.

Keine Berufung mehr

Insgesamt bekamen 2008 genau 3512 Männer, Frauen und Kinder in Österreich Asyl - im Jahr 2007 waren es noch 5197 gewesen. Nicht nur die Zahl der neuen Konventionsflüchtlinge, auch deren Chance auf Asyl ging im vergangenen Jahr messbar zurück. Zur Jahresmitte hatte das Asylgericht den Unabhängigen Bundesasylsenat als zweite Instanz abgelöst. Zusätzlich wurde Asylsuchenden die Möglichkeit genommen, den Verwaltungsgerichtshof zwecks Korrektur einer möglichen Fehlentscheidung der zweiten Instanz anzurufen.

Besonders drastisch war die Entwicklung bei der zahlenmäßig größten Flüchtlingsgruppe, den Tschetschenen: Bei ihnen ist die Anerkennungsrate in Österreich 2008 von 83 Prozent auf 47 Prozent gesunken.Die zweitgrößte Gruppe an Konventionsflüchtlingen waren 2008 Afghaninnen und Afghanen (446) und TürkInnen (236).

Insgesamt gab es im abgelaufenen Jahr 11.260 (rechtskräftige) positive und negative Asylentscheidungen, ein Minus von fünf Prozent gegenüber 11.843 Entscheidungen 2007. (red, derStandard.at, 22.1.2009)

 

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