Umweltminister sieht Ausbau-Möglichkeiten

22. Jänner 2009, 14:08
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Österreichs Energie aus Holz entspricht Viertel des Russland-Gasimports

Wien - Um die Abhängigkeit vom Ausland etwas zu verringern, sollte Österreich auf erneuerbare Energien setzen und auch seine Holzvorräte verstärkt für die Gewinnung von Energie verwenden, lautet der Appell des Landwirtschafts- und Umweltministeriums. Derzeit werden mit Holz hierzulande rund 8 Prozent des Gesamtenergiebedarfs gedeckt - bis 2020 will Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) diesen Anteil auf rund 10 Prozent erhöhen.

"Das russische Gas fließt, aber wir dürfen nicht zur Tagesordnung übergehen - wir müssen unsere heimischen Ressourcen nutzen, um uns möglichst weitgehend selbst mit Energie zu versorgen", sagte der Minister heute, Donnerstag, bei einer Pressekonferenz. "Wir haben hier ausreichend Holz", verwies Berlakovich auf ein mögliches Gesamterntevolumen von 25 Mio. Laufmeter. Österreich könnte mit Holz rund 4,4 Mrd. Kubikmeter Gas ersetzen - das entspreche etwa einem Viertel dessen, was aus Russland importiert wird. 550 Gemeinden mit je 1.000 Haushalten könnten ausreichend mit Biomasse und Pellets versorgt werden.

Das Ergebnis einer vom Ministerium in Auftrag gegebenen Studie belege ein realistisches Potenzial an Biomasse von 25 bis 28 Mio. Erntefestmeter pro Jahr bis 2020, das wäre um 40 bis 55 Prozent mehr als in den vergangenen Jahren

2008 wurden nur rund 18 Mio. Laufmeter aus den heimischen Wäldern geholt. Die Ernte wird überwiegend als Industrieholz, aber auch zum Heizen (40 Prozent) verwendet. Ein durchschnittlicher Haushalt braucht für Warmwasser und Heizung etwa 10 bis 15 Festmeter Holz pro Heizsaison.

Potenzial

Österreichs Wälder würden um rund 7 Mio. Laufmeter mehr Holz (inklusive Rinde, Äste und Nadeln) hergeben, geht aus der der Studie des Forschungszentrums Wald unter der Leitung von Direktor Harald Mauser hervor. "Die Versorgung mit Holz statt mit Gas ist ein Potenzial, das wir heben wollen", sagte der Minister. Die Situation habe sich seit 2002 bereits deutlich geändert, da die vermehrte Holzverwendung seither gefördert werde.

Seit vergangenem Jahr fließt beispielsweise im Zuge eines Förderprogramms ("Aktionsprogramm Holzfluss") bis 2013 die Gesamtsumme von 100 Mio. Euro in die Erschließung der Wälder mit Forstwegen, in Waldbewirtschaftungspläne und in Aufklärungsbroschüren, um die zumeist kleinstrukturierten Waldbesitzer zum Abholzen zu motivieren. "Das größte Potenzial haben wir im Kleinwald", betonte der Leiter der Sektion Forstwesen im Landwirtschafts- und Umweltministerium, Gerhard Mannsberger.

Und hier liegt das Problem: Die kleinen Waldbesitzer verspüren noch zu wenig Anreiz, ihr Holz zu vermarkten. Der dafür erzielbare Preis liegt mit derzeit rund 70 Euro je Festmeter auf dem Niveau von vor rund 20 Jahren. Demgegenüber sind allein die Holzerntekosten für einen Festmeter - je nach Zugänglichkeit des Geländes - mit durchschnittlich 25 bis 30 Euro zu veranschlagen. Ausreichend mobilisierbar wären die Waldbesitzer bei einem Preis von 100 Euro, heißt es in Branchenkreisen.

Fördermöglichkeiten

Um den Konsumenten den Umstieg auf alternative Energie zu erleichtern, gebe es auch hier entsprechende Fördermöglichkeiten. Im Rahmen eines Förderschwerpunktes des Klima- und Energiefonds wurden im Vorjahr 10.000 Biomasse-Heizkessel mit 8 Mio. Euro gefördert. Da nach wie vor große Nachfrage bestehe, strebt Berlakovich eigenen Angaben von heute, Donnerstag, zufolge eine Fortsetzung des Programms an.

Der Umstieg lohne sich für Konsumenten: Betragen die Brennstoffkosten für Erdgas rund 1.900 Euro pro Jahr und für Heizöl rund 1.600 Euro pro Jahr, belaufen sich die Kosten für Hackgut nur auf rund 800 Euro. Das Einsparungspotenzial liegt hier also bei bis zu 50 Prozent.

Auch Gemeinden können im Rahmen der Umweltförderung eine spezielle Förderung für Projekte im Bereich Biomasse wie etwa Einzelanlagen oder Heizwerke in Anspruch nehmen. (APA)

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