"Darüber, was man unter einem Qualitätsmedium versteht, lässt sich streiten"

22. Jänner 2009, 12:13
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Kommunikationswissenschafter Haas: "Qualität ist eine abhängige Variable" - "News"-Chef Voigt: "Österreichisches Phänomen" - "Datum"-Herausgeber Stimeder: Unabhängigkeit von Empfindlichkeiten der Anzeigenkunden

"Darüber, was man unter einem Qualitätsmedium versteht, lässt sich streiten", meint Hannes Haas, Kommunikationswissenschafter an der Uni Wien. "Qualität ist eine abhängige Variable", abhängig vom Betrachter, sagte Haas bei einer vom Monatsmagazin "Datum" organisierten Podiumsdiskussion am Mittwochabend. "Es gibt in allen Genres einen Qualitätsbegriff", glaubt auch Oliver Voigt, Generalgeschäftsführer der Verlagsgruppe News. Qualität ist ein gut gemachtes Produkt, sei das nun ein "Bravo"-Heft oder die "Zeit".

"Österreichisches Phänomen"

Grundsätzlich hält Voigt die Diskussion darüber, was ein Qualitätsmedium ist und was nicht, für "eindimensioniert und ein rein österreichisches Phänomen". In Deutschland erwarte man von jedem Printtitel, dass er sich durch Qualität auszeichnet.

Anzeigenkunden

Für "Datum"-Herausgeber Klaus Stimeder bedeutet Qualität, von den Empfindlichkeiten der Anzeigenkunden unabhängig zu sein. Dazu gehöre zum Beispiel auch, dass Redakteure keine Werbegeschenke annehmen. Gegen derartige Vorschriften sprach sich indes der News-Boss aus. In seinem Verlag gebe es keine Regelung in punkto Werbegeschenken: "Ich traue meinen Leuten zu, dass sie selbst abwägen können, wie sie damit umgehen. Ich setze auf Selbstkontrolle und bin ein großer Skeptiker, was Verbote angeht", so Voigt.

Finanzielle Absicherung

Für Voigt ist die finanzielle Absicherung eines Titels die Voraussetzung für Qualität. Es sei daher Augenauswischerei, zu behaupten, man könne unabhängig von der Werbewirtschaft agieren. Eben das beklagte wiederum Stimeder, der meinte, es sei heutzutage "absolute Regel, dass Marketingmanager annehmen, sie bekommen für eine Anzeige auch redaktionellen Content".

Selbstausbeutung

Auf die Frage, ob es Medienformen gibt, die sich auf Dauer unabhängig von Werbung finanzieren können, meinte Haas, dass das fast ausschließlich durch Selbstausbeutung möglich ist. Bei solchen Publikationen geht es immer um "eine Idee und nicht um den Kontostand. Dahinter steckt Idealismus, der aber immer eher Einzelpersonen betrifft und kein breites Model sein kann", so Haas. Lediglich öffentlich-rechtliche Sender, wenn sie nicht wie der ORF zur Mischfinanzierung gezwungen wären, könnten die Befindlichkeiten der Werbewirtschaft ignorieren.

Die These, dass Qualität finanzielle Ressourcen braucht, stellte indes die Journalistin und Autorin Sibylle Hamann in Frage. Auch Ressourcenknappheit könne zu Qualität führen. So erfahren Journalisten, die aus Finanzknappheit mit dem Bus fahren müssen, freilich deutlich mehr von dem, was die Leute bewegt, als jene Redakteure, die sich einen Hubschrauber chartern. (APA)

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