Zu viel Brust erzeugt bei Facebook Frust

2. Jänner 2009, 19:47
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Fotos von stillenden Müttern können in den USA zu großer Aufregung führen - Zum Beispiel, wenn Plattformen wie Facebook sie entfernen, weil sie als "obszön" eingestuft werden

Wien - Nackte Brüste in öffentlich leicht zugänglichen Medien haben im prüden Amerika schon immer die Gemüter heftig erregt. 2004 löste Janet Jacksons sekundenkurze Entblößung des rechten Teils ihrer Oberweite während eines Auftritt beim Superbowl einen veritablen Skandal aus, der in die Geschichte der Stars als erstes "Nipplegate" einging.

Auch im Web 2.0 verstößt das Zeigen nackter Busen nach Ansicht mancher Anbieter gegen die guten Sitten - selbst wenn es sich dabei nur um Bilder stillender Mütter handelt. Das soziale Netzwerk Facebook entfernt seit Herbst vergangenen Jahres Fotos von seiner Site, auf der Nutzerinnen in stillender Position mit ihren Säuglingen zu sehen sind. Nicht ohne die Frauen vorher darauf aufmerksam zu machen, dass ihre Fotos als "obszön" eingestuft worden seien.

Spitzfindige Kriterien

Wobei Facebook sehr spitzfindige Kriterien setzt und sich dabei auf Richtlinien über "obszönes, pornografisches oder sexuell explizites Material" beruft: Nicht alle Stillfotos werden gelöscht, sondern nur jene, die Brustwarzen und Warzenhof deutlich erkennen lassen. Mit anderen Worten: Tiefste Dekolletés und String-Bikinis verhüllen zur Genüge.

Facebook hat bei seiner Mamilla-Zensur jedoch offenbar nicht mit der geballten Reaktion seiner Community gerechnet: Ende des Jahres initiierten verärgerte Mütter ein "Live-nurse-in" vor dem Hauptquartier des von Mark Zuckerberg gegründeten Online-Netzwerkes in Palo Alto. Einem Bericht der britischen Zeitung Times zufolge sollen daran 11.000 SympathisantInnen teilgenommen haben. Mehr als 90.000 Personen haben sich weiters der Online-Petitionsgruppe "Hey Facebook, Breast-feeding is not Obscene" angeschlossen, die schon seit 2007 existiert.

Männernippel

"Auch wir finden, dass Stillen natürlich und schön ist und wir freuen uns, dass sie ihre Erfahrung auf Facebook mit anderen teilen wollen", versuchte ein Facebook-Sprecher die Aufregung in einem Gespräch mit der Times zu kalmieren. Aber einige der Fotos seien entfernt worden, um die Website für alle BenutzerInnen - besonders Kinder - sauber zu halten.

Männer können indessen in den USA ihre Nippel ungestört weiterhin herzeigen. Kürzlich veröffentlichte Fotos des designierten US-Präsidenten Barack Obama mit nacktem Oberkörper am Strand ernteten anerkennende Worte in den Medien. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print, 3./4.1.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ginge es nach den Richtlinien von Facebook, dürfte diese Maria von Lukas Cranach d. J. nicht auf der Sozialen Plattform gezeigt werden.

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