Höchste Verwirrung

21. Jänner 2009, 20:00
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Die Innenministerin - und nur sie - behauptet hingegen, dass die Familie Personenschutz abgelehnt habe. Was stimmt jetzt also?

Die westliche Welt blickt derzeit geschockt nach Moskau: Schon wieder wurden zwei Menschen, die sich für Menschenrechte eingesetzt hatten, auf offener Straße ermordet. Die „Hinrichtung" des Rechtsanwaltes Stanislaw Markelow und der angehenden Journalistin Anastasia Baburowa scheint auf einer Linie politisch motivierter Verbrechen wie der Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja im Jahr 2006 zu liegen.
Doch die westliche Welt muss gar nicht so weit gegen Osten blicken: Auch der Mord an dem jungen tschetschenischen Flüchtling Umar I. in Wien-Floridsdorf dürfte politische Hintergründe haben. Derzeit deutet alles darauf hin, dass der frühere Präsidenten-Bodyguard deshalb sterben musste, weil er nach seiner Flucht das russlandtreue Regime in seiner Heimat mit rechtlichen Mitteln bekämpfen wollte.
Die Medienberichterstattung ist momentan noch gekennzeichnet von allen möglichen Spekulationen - sowohl in Moskau als auch in Wien. Was wir aber Russland voraushaben, ist, dass sogar höchste Stellen für Verwirrung sorgen. Konkret geht es darum, ob das spätere Mordopfer aus Furcht um sein Leben bei der Polizei um Personenschutz angesucht hat oder nicht. Der Staatsschutz sagt: „Eher nein." Das Bedrohungsszenario sei darüber hinaus zu vage gewesen. Die Innenministerin - und nur sie - behauptet hingegen, dass die Familie Personenschutz abgelehnt habe. Was stimmt jetzt also? Wo bleibt die vielzitierte Transparenz von Informationen? Wien darf nicht Moskau werden. (Michael Simoner, DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2009)

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