Eisenmänner müssen warten

21. Jänner 2009, 19:39
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Alpines Kunstprojekt von Antony Gormley zwischen dem Bregenzerwald und dem Arlbergpass wird verschoben

Bregenz - Sie haben Stavanger gesehen, die Küsten von Cuxhaven und Crosby. Auch in den geschichtsträchtigen Olivenhainen von Catanzaro waren sie schon. Diesen Sommer sollten die Eisenmänner von Antony Gormley einen Ausflug in die Alpen machen.

100 gusseiserne Skulpturen wollte der britische Bildhauer Antony Gormley einer imaginären Linie entlang aufstellen. Auf exakt 2039 Meter Seehöhe zwischen dem Bregenzerwald und dem Arlbergpass. Ein "Horizon Field" sollte entstehen. Nun muss das Projekt um mindestens ein Jahr verschoben werden.

Sensibler Naturraum

Weder der Künstler noch die Verantwortlichen des Kunsthaus Bregenz, das dem Bildhauer die heurige Sommerausstellung widmet, hatten mit aufwändigen naturschutzrechtlichen Prüfungen gerechnet. Doch die Experten der Bezirkshauptmannschaften Bregenz und Bludenz nahmen gemeinsam mit Birdlife und der Naturschutzanwaltschaft über 100 vom Künstler gewünschte Standorte unter die Lupe. Zwei Drittel davon halten sie für ungeeignet. Naturschutzgebiete, Brutplätze seltener Vögel, von Touristen noch unentdeckte Plätze waren darunter.

Naturschutzanwältin Katharina Lins: "Die Idee ist witzig, sollte aber nicht an den wenigen unberührten Rückzugsorten, die wir noch haben, realisiert werden." Geschätzte 600 HubschrauberTransporte, die Errichtung und der Abbau von Fundamenten für jede der 640 Kilo schweren Figuren bedeuteten eine unnötige Störung der Natur.

Argumente, die bei den Veranstaltern Gehör fanden. Sie wollen das "Horizon Field" nun "verdichten", sagt Artur Vonblon, Geschäftsführer der Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft und zwar im Raum Schröcken, Warth, Lech, Zürs, Arlbergpass. Man wolle die Eisenmänner eher an Orte bringen, die bereits erschlossen sind. Zwei Tage habe er mit Gormley das Gebiet erwandert, erzählt Vonblon: "Gormley ist bereit, das Konzept zu adaptieren. Er will es ja nicht gegen jemanden machen, sondern gemeinsam mit den Menschen hier." So werden die Eisenmänner näher an Wanderwege und Liftstationen rücken.

Realisiert werden kann das Projekt frühestens 2010. Die Finanzierung - 600.000 Euro - ist durch private Sponsoren gesichert. (Jutta Berger / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2009)

 

 

  • So einfach stellt man Skulpturen nicht ins Gebirge. Auch Kunst braucht Genehmigung. 
 
 
    foto: kub

    So einfach stellt man Skulpturen nicht ins Gebirge. Auch Kunst braucht Genehmigung.

     

     

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