Auch in der Antarktis wird es wärmer

21. Jänner 2009, 19:01
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Bislang schien es, als ob der eisige Kontinent im Süden von der globalen Erderwärmung ausgenommen sei - doch neue Berechnungen zeigen, dass die Antarktis im Trend liegt

Washington/London - Es ist eine der heißesten Fragen der Klimaforschung - auch wenn es dabei um jährliche Durchschnittstemperaturen von minus 55 Grad Celsius geht. Seit einigen Jahren wird nämlich heftig darüber diskutiert, ob auch die Antarktis von der Klimaerwärmung betroffen ist - oder die große kalte Ausnahme darstellt.

Bislang ging die Wissenschaft davon aus, dass der weiße Kontinent am Süden der Erdkugel gewissermaßen der eisige Fels in der Brandung des Klimawandels sei. Daten ließen den Schluss zu, dass entgegen dem globalen Trend es in der Antarktis in jüngster Zeit sogar noch kälter geworden sei.

Der paradoxe Hauptgrund dafür: das Ozonloch. Bereits im Jahr 2002 hatten US-Forscher zeigen können, dass der im südlichen Frühjahr auftretende Ozonschwund die Temperaturen in etwa 20 Kilometern Höhe abkühlt. Der Luftwirbel erreiche auch die eisige Oberfläche der östlichen Antarktis und kühle sie weiter ab. Wärmer hingegen werde es insbesondere auf der Antarktischen Halbinsel, die in Richtung Südamerika weist.

Überraschende Berechnungen

Nun hat Eric Steig von der Universität Washington gemeinsam mit Kollegen sämtliche verfügbaren Klimadaten zur Antarktis seit 1957 noch einmal im Detail statistisch ausgewertet - und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Wie die Klimaforscher im britischen Fachblatt "Nature" (Bd. 457, S. 459) nun berichten, stiegen in den vergangenen 50 Jahren die Temperaturen der Westantarktis besonders stark an, nämlich im Schnitt um 0,17 Grad pro Jahrzehnt.

Auf der Antarktischen Halbinsel waren es nur 0,11 Grad pro Jahrzehnt. Für die auf rund 3000 Metern Seehöhe gelegenen Hochflächen der Ostantarktis bestätigten die Forscher zwar den kühlenden Effekt des Ozonlochs. Über ein halbes Jahrhundert gesehen habe es aber auch da einen Temperaturanstieg gegeben, der allerdings statistisch weniger gut abgesichert ist.

Für Eric Steig liegt es auf der Hand, dass die Erderwärmung die logische Erklärung dafür sei. Und er verwies darauf, dass Erfolge im Kampf gegen das Ozonloch dazu führen würden, die Erwärmung der Antarktis noch zu beschleunigen. Zu einem möglichen Abschmelzen der Eismassen sagte er nichts. Was bei antarktischen Durchschnittstemperaturen von immer noch rund minus 55 Grad auch nicht ganz dringlich scheint. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 22. 1. 2009)

 

  • Dank des Ozonlochs bleiben die Flächen der Ostantarktis (gelb) fast so
eisig wie bisher. Doch der Tempe-raturanstieg im Westen (rot) führt
insgesamt zur antarktischen Erwärmung.
    illu.: nasa/steig

    Dank des Ozonlochs bleiben die Flächen der Ostantarktis (gelb) fast so eisig wie bisher. Doch der Tempe-raturanstieg im Westen (rot) führt insgesamt zur antarktischen Erwärmung.

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