Stimmung, nicht Wissen

21. Jänner 2009, 18:31
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Die Österreicher wollen eine Politik, die eine Stimmung des Vertrauens schafft - von Conrad Seidl

Die Eurobarometer-Umfrage birgt ein paar tröstliche Erkenntnisse für die österreichischen Politiker: Ihre Arbeit wird von den Befragten alles in allem gewürdigt. Sie erhalten mehr Vertrauen als ihre Kollegen in anderen EU-Ländern von deren Bürgern. Und Politiker, die sich besonders der Europapolitik widmen, können sich erst recht freuen: Die Österreicher haben im vergangenen Halbjahr die EU wenn schon nicht lieben, so doch schätzen gelernt.

Was könnte man machen, damit sich das Image der EU weiter bessert? Der Leiter der EU-Vertretung, Richard Kühnel, empfiehlt den Unternehmen, ihre Mitarbeiter besser darüber zu informieren, wie sehr unser Land von der Ostöffnung und Osterweiterung wirtschaftlich profitiert hat. Und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl brüstet sich: 30.000 Menschen hätte die Kammer allein im vergangen halben Jahr informiert, der Informationsbedarf sei enorm.

Und wenn dann alle möglichst viele bunte Broschüren gesammelt und faktenreiche Websites durchkämmt haben? Erwartet man dann, dass die Österreicher zu EU-Fans werden?

Das würde zu kurz greifen. Denn die Einstellung zur EU folgt nicht einer derartigen Input-Output-Rechnung. Wenn viele Österreicher ihr Misstrauen damit begründen, dass "man über die EU zu wenig weiß", dann ist das nicht die Forderung nach noch einem Info-Paket mit noch mehr Faktenwissen. Sondern nach einer Politik, die eine Stimmung des Vertrauens schafft. Auch das zeigt die Umfrage: Österreichs Politik hätte die Voraussetzungen dafür - wenn sie den Bürgern zuhört und gleichzeitig einen klaren Kurs hält. (DER STANDARD, Printausgabe, 22.1.2009)

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