Krise spaltet die Eurozone

21. Jänner 2009, 18:23
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Brüssel - Die großen Volkswirtschaften der EU und der Eurozone entwickeln sich auseinander, und die Finanz- und Wirtschaftskrise beschleunigt das nun dramatisch.

Die Konjunkturprogramme und Bankenstützungen führen in einigen Staaten zu einer gewaltigen Ausdehnung der Neuverschuldung: Statt der "erlaubten" drei Prozent werden es im kommenden Jahr in Irland 13 Prozent sein, in Frankreich fünf Prozent und in Spanien 5,7 Prozent und im Nicht-euroland Großbritannien fast zehn Prozent.

Auf den Anleihemärkten hat das bereits dazu geführt, dass Länder mit höherer Verschuldung fast doppelt so hohe Zinsen zahlen müssen als stabilere Volkswirtschaften: Griechenland muss für seine zehnjährigen Anleihen bereits 5,6 Prozent bieten, fast doppelt so viel wie zum Beispiel Deutschland und Österreich. Das bedeutet, dass die bereits weniger wettbewerbsfähigen Volkswirtschaften einen weiteren Wettbewerbsnachteil in Kauf nehmen müssen: Höhere Zinsen sorgen dafür, dass auch Investitionen geringere Renditen abwerfen.

Zunehmende Spannungen

Die zunehmenden Spannungen in der Eurozone dokumentiert auch eine Studie der EU-Kommission, die bereits den Finanzministern vorgelegt wurde. Ihr zufolge ist vor allem in Frankreich und Italien die Lage sehr ernst. Obwohl die französischen Unternehmen ihre Gewinnmargen deutlich gesenkt hätten, verlieren sie auf den internationalen Märkten stetig Anteile. Noch schlimmer sei die Lage, wie aus der Studie hervorgeht, in Italien: Österreichs südlicher Nachbar konzentriere sich offenbar auf arbeitsintensive Sektoren und konkurriere deswegen bereits zu einem großen Teil mit Schwellenländern. In wissensbasierte Produkte und Dienstleistungen werde hingegen kaum investiert.

Eine fast parallele Entwicklung gibt es bei den Lohnstückkosten: In Deutschland und Österreich sind diese seit dem Jahr 2000 nur um sechs bis sieben Prozent gewachsen, während sie in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland um 25 bis 30 Prozent gestiegen sind. (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.1.2009)

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