Die wundersame Stationsvermehrung

21. Jänner 2009, 18:21
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Seit einigen Jahren hat jede auf dem Gebiet der Bundeshauptstadt liegende Station den Vorsatz Wien, was den Verbrauch an Druckerschwärze enorm steigert

Wien - Das Stationsverzeichnis im Kursbuch der ÖBB erweckt den Eindruck, Österreich sei gerade mit Stellen überschwemmt, an denen zumindest der eine oder andere Regionalzug einen regelmäßigen Stopp einlegt. Allerdings: Die Zählung der tatsächlichen Haltestellen ist aufwändig.

Doppelnamen kommen natürlich zweimal vor, daher gibt es zu Stainach-Irdning auch ein Irdning, Stainach, zu Attnang-Puchheim auch ein Puchheim, Attnang oder zu Spittal-Millstättersee auch ein Millstättersee, Spittal. Das ist sinnvoll! Auch ein Ybbstaler Hütte, Stiegengraben als Pendant zu Stiegengraben-Ybbstaler Hütte lässt sich einigermaßen begründen.

Wien Handelskai - Wien Praterstern

Aber: Seit einigen Jahren hat jede auf dem Gebiet der Bundeshauptstadt liegende Station den Vorsatz Wien, was den Verbrauch an Druckerschwärze enorm steigert und den immer wieder bekundeten Sparwillen der Bahn konterkariert, weil nun alle Wiener Haltestellen als Doppelnamen gelten. Zu Wien-Handelskai gesellt sich ein Handelskai,Wien, zu Wien-Praterstern ein Praterstern,Wien. Der Südbahnhof scheint gleich sechsmal auf, weil er drei Bahnsteiggruppen aufweist. Den Höhepunkt - mit einem gehörigen Schuss unfreiwilligem Humor - aber bildet Wien-Mitte, das durch ein Mitte, Wien komplettiert ist. Und weil es das Alphabet so vorschreibt, findet man direkt unter Brenner/Brennero auch ein Brennero/Brenner.

Findigste Köpfe der ÖBB arbeiten daran


Bei so viel Akkuratesse der Kursbuchgestalter wundert man sich, warum seit Jahren die im Fahrplanbild 811 ausgewiesene Strecke von Krems nach Sarmingstein noch immer keinen Namen hat. Schließlich gibt es eine Südbahn, eine Südbahn/Semmeringbahn und eine Steirische Südbahn, zwei Tauernbahnen, eine Südwestbahn - obwohl diese Gleisverbindung über den Gerichtsberg zwischen Süd- und Westbahn schon lange unterbrochen ist -, eine Mühlkreis- oder eine Summerauer Bahn. Angeblich arbeiten aber die findigsten Köpfe der ÖBB an der Lösung des Problems, wie eine durch die Wachau führende Strecke bezeichnet werden könnte.


Bei den als Werbeträger verkauften "Namens-Zügen" gibt es nun einen Landesausstellung Mahlzeit 2009, einen auf der Westbahn verkehrenden Innovationsgemeinde Baden oder einen Dommuseum-Rudolf der Stifter. Wundern muss man sich über den Samariterbund und den Caritas Patenschaften, denn beide Institutionen sind bekanntlich auf Spenden angewiesen.  (Bernd Orfer, DER STANDARD, Printausgabe 22.1.2009)

 

  • Die Zählung der Haltestellen ist aufwändig.
    foto: derstandard.at/ped

    Die Zählung der Haltestellen ist aufwändig.

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