Marokkaner wie Sklaven behandelt

21. Jänner 2009, 17:45
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Sie nähten bis zu 14 Stunden am Tag in einer fensterlosen Garage - Auf die Toilette duften sie einmal am Tag - Der Lohn war 20 Euro im Monat

Madrid - Die Arbeitsbedingungen der fünf Immigranten waren unerträglich. Sie nähten bis zu 14 Stunden am Tag in einer fensterlosen Garage nahe dem südspanischen Huelva Trainingsanzüge.

Auf die Toilette duften sie einmal am Tag. Wer schlapp machte, wurde getreten und geschlagen. Wer krank wurde, durfte nicht zum Arzt. Jetzt haben die fünf Marokkaner ihren Chef angezeigt. Die Aussagen der "modernen Sklaven" vor Gericht sorgten in den vergangenen Tagen für Aufsehen in der spanischen Presse. Dem Arbeitgeber Mohamed A., ebenfalls Marokkaner, drohen bis zu vier Jahre Haft.

"Von Anfang an betrogen"

"Der Chef hat die fünf vom Anfang an betrogen", erklärt der Anwalt der Betroffenen, Fernando Osuna. Mohamed A. hatte seine Sklaven im nordmarokkanischen Tanger angeheuert. Er versprach ihnen eine gute Arbeit und kassierte von jedem 7500 Euro, angeblich für eine Vorabzahlung an die Sozialversicherung und für die Arbeitspapiere.

Lohn wurde fast vollständig einbehalten

"Nichts von alldem war wahr. Arbeiten, arbeiten, arbeiten ...", beklagt sich einer der Immigranten. Der Lohn wurde fast vollständig einbehalten, um die Schulden abzuzahlen. Auf die Hand bekam jeder der fünf gerade einmal 20 Euro im Monat.

"Es ist sicher nicht der einzige Fall", sagt Anwalt Osuna. Er hofft, dass sein Verfahren andere Immigranten in ähnlicher Situation dazu ermutigt zu handeln. (Rainer Wandler aus Madrid, DER STANDARD Printausgabe 22.1.2009)

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