Onlinehandel schwächt Elektroketten

21. Jänner 2009, 17:41
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Kärntner steigt groß bei deutscher Redcoon ein - Preisverfall drückt die Gewinne

Wien - Johann Majdic sucht die Nähe der Elektrohandelsriesen. In ihrem Umfeld, am besten gleich vis-à-vis richtet er dann seine kleinen Abholmärkte ein und fährt Mitbewerbern mit Billigstpreisen um die Ohren. Denn bestellt wird bei ihm ausschließlich übers Internet, die Produkte ausstellen tue ohnehin sein Mitbewerb nebenan, sagt er.

Majdic sattelte vor sechs Jahren vom klassischen Elektrohandel auf das Online-Geschäft um, gründete die Marke "Electronic for you" und setzt damit mittlerweile gut 65 Millionen Euro um, erzählt er. Jetzt beteiligt sich der Kärntner bei einem der größten europäischen Internet-anbieter seiner Branche. "Meine Familie hat 25 Prozent der Aktien an Redcoon gekauft. Das Geschäft ist seit wenigen Tagen besiegelt."

Redcoon wird mit Elektronikartikeln in acht Ländern heuer nach eigener Angabe 500 Millionen Euro umsetzen. Allein im Dezember soll das deutsche Unternehmen 18.000 Fernseher, 12.000 Computer, 3000 Waschmaschinen über ihr Onlineportal vertrieben haben. Die Finanzierung seines Einstiegs sei für seine Familie kein Problem gewesen, meint der gelernte Bankkaufmann Majdic. "Wir schreiben seit 30 Jahren Gewinne." Der Onlineversand wachse jedes Jahr zweistellig. Und mit "Electronic for you" plane er in in jeder Landeshauptstadt in Österreich zumindest einen Abholshop.

Internethändler setzen Elektronikketten hart zu. Der Preisverfall der Branche ist massiv, 2008 rasselten sie um im Schnitt 27 Prozent nach unten. Allein Notebooks haben sich laut Webplattform Geizhals.at um 54 Prozent verbilligt.

Große Verkaufsflächen und viel Personal ließen sich mit den mageren Spannen immer schwieriger finanzieren, glaubt Alexander Peretti, der vor zwei Jahren die 0815 Online Handel Gmbh gegründet hat. Die aggressive Preispolitik der Internetversender mache dem Elektrohandel - vor allem Großflächenanbietern - Kunden abspenstig, bestätigt der Marktforscher Gfk Austria. In einzelnen Produktgruppen liege der Anteil der online verkauften Artikeln bei 20 Prozent.

Starke Währungseinbrüche im Osten und in Großbritannien kurbeln derzeit den Elektronikimport übers Internet zusätzlich an, seufzt ein Händler. Die Industrie lasse bei den Preisen "die Hose runter" , Spezialisten kauften Ware auf und reichten sie zu Dumpingpreisen an Webhändler weiter. Konsumentenschützer warnen freilich vor den schwarzen Schafen, die auf den Elektronikzug aufspringen, Garantie wie Gewährleistung blieben da auf der Strecke.

Österreichs Elektroabsatz läuft derzeit besser als erwartet. Lieferanten bangen aber um den Großkunden Cosmos, die Kette hat wie am Mittwoch berichtet die drohende Zahlungsunfähigkeit noch einmal abwenden können. Bricht Cosmos als Gegengewicht weg, dominiert Branchenriese Media-Saturn den österreichischen Markt vollends, so die Befürchtung vieler.

"Wir sind gut unterwegs", sagt Media-Saturn-Chef Frank Kretzschmar, nun zeige sich, wer sich vernünftig positioniert habe. Einer der nächsten Mediamärkte soll in Oberwart eröffnen, der Widersacher Cosmos ist schon dort. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.1.2009)

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