Gas-Krisenmanagement bleibt

21. Jänner 2009, 17:37
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Mitterlehner: "Kurzfristig keine Alternative zu Öl, Gas"

Wien - Trotz Beilegung des Streits zwischen Moskau und Kiew, die zur Wiederaufnahme der Gaslieferungen nach Europa geführt hat, halten OMV und E-Control vorerst am Krisenmanagement fest. Auch wenn das Gas seit Dienstagabend wieder in gewohntem Umfang strömt, traut man dem Einlenken der Streitparteien nicht ganz.

"Wir werden noch eine Zeitlang beobachten, ob es tatsächlich keinen Druckabfall in den Leitungen mehr gibt", sagte Michael Schmöltzer, Gasexperte der Regulierungsbehörde E-Control, dem STANDARD.

Warum das Gas schon rund zehn Stunden nach der Ankündigung aus Moskau, der Gashahn sei wieder aufgedreht, in Österreich angekommen ist, erklärt sich Schmöltzer folgendermaßen: "Kiew hat offenbar Gas aus westukrainischen Speichern in die Pipelines geleitet und gar nicht gewartet, bis das Gas aus Russland da ist."

Offensichtlich sei es so gewesen, dass die Ukraine nach Unterbrechung der Lieferungen aus Russland einen hohen Druck in ihrem Leitungssystem aufrechterhalten habe. Dadurch sei die Wiederaufnahme der Gaslieferungen kurzfristig möglich geworden.

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner plädierte bei der aktuellen Stunde im Parlament für die Suche nach alternativen Gasanbietern und bekannte sich zum Bau der Nabucco-Pipeline. Mithilfe dieses Projekts, das unter der Federführung der OMV steht und knapp acht Mrd. Euro kostet, soll ab 2013 Gas aus dem kaspischen Raum über die Türkei nach Europa strömen. Montag und Dienstag kommender Woche findet dazu eine internationale Konferenz in Budapest statt.

Mitterlehner bekannte sich zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Steigerung der Energieeffizienz. Aber es wäre eine "Illusion", zu denken, Österreich könne in den nächsten zehn oder 20 Jahren ganz auf Öl und Gas verzichten.

Kritik gab es vonseiten der Opposition. Ihr gehen die von der Regierung ins Auge gefassten Maßnahmen nicht weit genug. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.1.2009)

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