Was die Verschrottungs­prämie bringt

21. Jänner 2009, 17:39
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Frage: Wie hoch wird die Verschrottungsprämie nun sein?

Antwort: Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner hat einen Rahmen von 1000 bis 2500 Euro pro Transaktion angekündigt. Zuletzt bewegte sich die Sache in Richtung 1500 Euro für einen Altwagen, der vor 1997 gebaut worden ist. Gleichzeitig muss ein Neuwagen gekauft werden - ein Stimulus für den Automarkt ist die erste Intention. Eine CO2-abhängige Staffelung der Prämie wird von der Industrie bekämpft - weil in heimischen Werken Fahrzeuge hergestellt werden, die über der angepeilten Schwelle (180 g/km) liegen (etwa: Magna-Steyr Graz, BMW X3). Offen war am Mittwoch auch noch die technische Abwicklung der Prämie.

Frage: Wer soll das bezahlen?

Antwort: Die Regierung will maximal 25 Millionen Euro lockermachen. Die zweite Hälfte der geplanten 50 Mio. Euro sollen Autohandel und Autoimporteure aus ihren Budgets beisteuern.

Frage: Bekommt man dann weniger Rabatt beim Neuwagenkauf?

Antwort: Rabatte sind Verhandlungssache, ihre Höhe hängt von der Marktsituation ab. Gefragte Automarken müssen immer niedrigere Nachlässe gewähren. Die Branche wird eine Prämie aber sicher als Verkaufsinstrument nutzen, schließlich bezahlt sie auch die Hälfte davon.

Frage: Wozu, außer zur Stimulierung der Neuwagennachfrage, kann eine Prämie noch gut sein?

Antwort: Alte Autos verbrauchen im Schnitt mehr Sprit als moderne für gleiche Fahrleistungen. Auch die Abgasreinigung (etwa: fehlende Dieselpartikelfilter) ist schlechter. Neue Autos sind weiters tendenziell weniger schadensanfällig und mit weit mehr aktiven und passiven Sicherheitsfeatures ausgestattet. Insofern wäre eine Verjüngung des Bestandes volkswirtschaftlich erwünscht.

Frage: Wird es ähnliche Prämien auch für andere Branchen geben?

Antwort: Vermutlich nicht. Das Finanzministerium war schon bei der Autoprämie skeptisch. Die Fahrzeughändler sind aber bestens mit dem Wirtschaftsministerium vernetzt (über die Wirtschaftskammer, wo Ressortchef Mitterlehner bis zu seiner Angelobung Vizegeneralsekretär war). Ein Argument für die Extrawurst ist, dass 70.000 Personen im Handel und in Werkstätten arbeiten, die für die Erhaltung der Verkehrssicherheit der Pkw ausgebildet werden müssten.

Frage: Wie viele Autos sind in Österreich noch angemeldet, die vor 1997 gebaut worden sind?

Antwort: In der Pkw-Bestandsstatistik 2007 waren 1,26 Mio. Autos von 4,25 Mio. insgesamt älter als elf Jahre (die 2008er-Statistik wird erst im Mai fertig sein).

Frage: Wie kann Missbrauch vermieden werden, etwa indem jemand massenhaft Altautos ankauft und diese zur Prämienlukrierung weitervermarkten will?

Antwort: Gegen derartige Praktiken muss im Gesetz eine Mindesthaltedauer des Altwagens festgeschrieben werden.

Frage: Wie wirkten Verschrottungsprämien in anderen Ländern?

Antwort: Bisher meist nur kurzfristig (siehe Länder-Kästen unten). Für ein paar Monate erholte sich der Automarkt, es waren Mitnahmeeffekte durch vorgezogene Neuwagenkäufe zu bemerken. Diese fehlten in späteren Monatsstatistiken. Vor allem in Italien werden Verschrottungsprämien seit den 90er-Jahren eingesetzt, um die nationale Autoindustrie zu stützen. (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2009)

  • Ein unflotter Käfer wäre eintauschberechtigt.
    foto: standard/fischer

    Ein unflotter Käfer wäre eintauschberechtigt.

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