Graf betreibe "Umfärbung" seines Vereins

21. Jänner 2009, 18:17
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Neue Vorwürfe der suspendierten Fußballerinnen: Martin Graf habe das Platz-Buffet seinem parlamentarischen Mitarbeiter überlassen - "Fußballturnier gegen rechts" am Samstag

Martin Graf (FPÖ) ist nicht nur Dritter Präsident des Nationalrats, er ist auch Fußballpräsident des FC Hellas Kagran in Wien Donaustadt. Schon vor einigen Monaten übten drei Spielerinnen des Fußballvereins Kritik an ihm, nachdem sie suspendiert worden waren.

Mitte September hatte Graf eine angebliche Wahlkampf-Veranstaltung auf dem Hellas-Platz abgehalten, die als "Spanferkelessen des RFJ (Ring Freiheitlicher Jugend, Anm.) 22" getarnt gewesen sei. Die Spielerinnen Margarita und Lucia Döller, sowie Irene Müller hätten ihren diesbezüglichen Unmut geäußert, worauf sie vom Spielbetrieb suspendiert wurden.

Graf selbst, seit Sommer 2007 Präsident des Clubs, hatte die Vorwürfe damals als "Schwachsinn" zurückgewiesen. Die drei Damen hätten mit Unwahrheiten eine politische Kampagne begonnen, linke Parolen geschmiert und einen "nicht-rassistischen Präsidenten" verlangt. Deshalb habe sich die Vereinsführung für Suspendierung entschieden.

"Umfärberei" im Verein

Am Mittwoch gaben die drei Spielerinnen eine Pressekonferenz - und es kamen neue Vorwürfe ans Tageslicht: Demnach treibe Graf die (politische, Anm.) "Umfärbung" des Vereins voran, sagte  Margarita Döller. So sei kürzlich etwa die Lizenz für das Platz-Buffet an den Graf-Mitarbeiter Marcus Vetter übergeben worden - einem jener parlamentarischen Mitarbeiter Grafs, die wegen Bestellungen beim Online-Versandhandel "Aufruhr" in die Schlagzeilen gekommen sind.

Am 6. Jänner sei zudem bei einer Generalversammlung, von der laut Döller eine Reihe von Vereinsmitgliedern nichts wusste, ein neuer Vorstand gewählt worden. Dabei wurden etwa Werner Hammer mit dem Amt des 1. Obmanns sowie Andreas Dvorak mit der Position des Rechnungsprüfers bedacht. Beide sind als FPÖ-Bezirksräte in Wien-Donaustadt aktiv.

"Fußballturnier gegen rechts"

Am Samstag veranstalten die Spielerinnen gemeinsam mit der Sozialistischen LinksPartei (SLP) ein Fußballturnier und eine Diskussions-Veranstaltung als Zeichen gegen die rechte Politik von Martin Graf. "Mehrere Organisationen drücken damit auf sportliche Art ihren Unmut mit den Einstellungen und dem Verhalten des FPÖ-Politikers Martin Graf aus", heißt es in einer Presseaussendung.

Thema der Diskussionrunde, an der unter anderem der Grün-Politiker David Ellensohn und der Rechtsextremismus-Experte Wolfgang Purtscheller teilnehmen: "Wie Martin Graf den Fußballverein Hellas für seine Zwecke benützt und die Frage von Rassismus und Politik im Sport insgesamt". (red/APA, derStandard.at, 21.1.2009)

Fussballturnier am 24.1.09, 8.30 bis 13.00
Jüdischer Sportclub HAKOAH, Wehlistrasse 326, 1020 Wien, U2-Station Stadion

Veranstaltung "Rassismus und Antirassismus in Österreich am Beispiel Hellas Kagran" am 24.1.09 ab 14.00
Diskussion mit:
* Margarita Döller, suspendierte Spielerin
* Wolfgang Purtscheller, Rechtsextremismusexperte
* David Ellensohn, Stadtrat der Wiener Grünen
LTM-Clubrestaurant, Wehlistraße 320, 1020 Wien (direkt neben dem Sportclub Hakoah, Nähe U2Stadion)

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