Privatgeschäfte an Med-Uni Innsbruck

21. Jänner 2009, 15:54
11 Postings

Derzeitiger Interims-Rektor Dierich nahm laut Rechnungshof-Bericht von sich selbst Aufträge entgegen

Wien/Innsbruck - Einmal mehr kritisiert der Rechnungshof (RH) Privatgeschäfte und nebenberufliche Tätigkeiten bei Medizinern. Konkret bemängeln die Prüfer in einem am Montag veröffentlichten Prüfbericht über das Department für Hygiene, Mikrobiologie und Sozialmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck sogenannte "Insichgeschäfte" des Department-Leiters. Der hat als Facharzt in eigenem wirtschaftlichem Interesse sich selbst als Uni-Angehörigem Aufträge gegeben, die Uni schaute dabei durch die Finger. Pikant dabei: Der kritisierte Department-Leiter Manfred Dierich ist Vizerektor der Med-Uni Innsbruck, die er derzeit interimistisch leitet.

"Unternehmerische Interessen"

Der Department-Leiter war neben seinem Uni-Job auch als Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie sowie für Virologie tätig. Im Rahmen dieser Nebenbeschäftigung nahm er laut RH u.a. von Spitälern und niedergelassenen Ärzten Aufträge für Untersuchungen, v.a. von Blut, Stuhl und Urin zur Feststellung von Viren, Bakterien und Pilzen, entgegen. Vertragspartner sei dabei Dierich und nicht die Medizin-Uni gewesen. Zudem nahm die ARGE Umwelt-Hygiene Ges.m.b.H. Aufträge für umweltanalytische Untersuchungen entgegen. Bei der Gesellschaft waren Dierich und eine Mitarbeiterin des Departments Gesellschafter und Geschäftsführer.

Ein schriftlicher Vertrag zwischen der Uni und Dierich, der das Auftragsverhältnis in rechtlicher, wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht regelte, lag nicht vor. "Damit war nicht sichergestellt, dass die Interessen der Medizinischen Universität Innsbruck gegenüber den unternehmerischen Interessen des Leiters des Departments gewahrt wurden", kritisiert der RH.

Die Kosten für den dafür erforderlichen Laborbetrieb an der Medizin-Uni wurden zwar vom Department-Leiter und der ARGE getragen. Der RH kritisiert aber die Doppelfunktion: Der Mann hatte als Facharzt die Funktion des Auftraggebers inne, nahm aber gleichzeitig als Department-Leiter von sich selbst als Facharzt Aufträge für die Medizin-Uni entgegen. Die Prüfer bezeichnen dies als "Insichgeschäfte". Auch die Möglichkeit, die für die Untersuchungen erbrachten Laborleistungen mit Gewinn abzurechnen, sei nicht genutzt worden.

Freie Dienstverträge

Zum Vergleich haben die Prüfer Untersuchungsleistungen der Hygieneinstitute der Med-Unis in Wien und Graz analysiert. Dort habe es laut RH "transparente Rahmenbedingungen" gegeben. Bei einem ähnlich großen Gebarungsumfang erzielte allerdings das Hygiene-Institut der Med-Uni Graz aus Untersuchungen und Befundungen im Jahr 2006 einen Gewinn von 1,9 Mio. Euro, nach Abzug von Gewinnanteilen für Institutsleiter und Projektmitarbeiter verblieb für das Institut bzw. die Medizin-Uni Graz ein Gewinn von 1,1 Mio. Euro. In Innsbruck seien dagegen nur die angefallen Ausgaben abgedeckt worden.

Nach der RH-Prüfung vereinbarten die Med-Uni Innsbruck und der Department-Leiter Anfang 2008, dass dieser seine Facharzt-Tätigkeit im Bereich der mikrobiologischen Untersuchungen von Patientenproben ausschließlich im universitären Rahmen ausüben werde. In dieser Vereinbarung wurde Dierich als Abgeltung seiner Tätigkeit ein ihm vorab zustehender gestaffelter Basisanteil in Abhängigkeit vom erzielten Gewinn eingeräumt, wobei ein fixer Betrag auch bei niedrigen Gewinnen bzw. bei Verlusten auszubezahlen war.

Kritik übt der RH auch an der Tatsache, dass mehr als 35 der insgesamt 82 Mitarbeiter des Departments bei dessen Leiter im Rahmen von freien Dienstverträgen Nebenbeschäftigungen ausübten und dafür von ihm Prämien ausbezahlt bekamen. Der RH beanstandet, dass neben den dienstlichen auch private wirtschaftliche Abhängigkeitsverhältnisse zum Department-Leiter bestanden, weil dieser die Möglichkeit hatte, die Nebeneinkünfte durch private Beschäftigungsverhältnisse zu steuern. (APA)

Share if you care.