Sieben Uraufführungen bei den Ruhrfestspielen

21. Jänner 2009, 15:35
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Von "Möbelsaga" bis zu Rock-Reality-Revue: Leitthema der 62 Produktionen ist "Nordlichter"

Recklinghausen/Witten - Eine musikalische "Möbelsaga", ein lesender Gewerkschaftsboss und die Rock-Reality-Revue eines isländischen Ensembles: Die Ruhrfestspiele wollen ihre Besucher mit ungewöhnlichen Aufführungen locken. Insgesamt sind vom 1. Mai bis zum 14. Juni 223 Aufführungen und Lesungen in zwölf Spielstätten in Recklinghausen und Marl geplant, teilte Festspielleiter Frank Hoffmann am Mittwoch in Witten mit. Gezeigt werden 62 Produktionen, davon 50 im Hauptprogramm. Bekannte Schauspieler wie Maximilian Schell, Harald Schmidt, Eva Mattes oder Hans-Michael Rehberg werden erwartet.

Einen Schwerpunkt legt das von der Stadt Recklinghausen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund getragene Festival unter dem Leitthema "Nordlichter" auf nordische Autoren. Neben zahlreichen Stücken von Henrik Ibsen und Strindberg stehen auch Werke von Ingmar Bergman, Per Olov Enquist oder Jon Fosse auf dem Programm. Zum Leitthema gibt es allein über 20 Produktionen. "Im Mittelpunkt stehen die Dramatiker, ihre Texte und deren heutige, oft gewagte szenische Umsetzungen", sagte der 54-Jährige, der das Festival seit September 2004 leitet.

Insgesamt sieben Uraufführungen stehen auf dem Programm, darunter ein Abend über den schwedischen Autor August Strindberg. Hoffmann konnte dafür den Schauspieler Maximilian Schell gewinnen. Nordisches kommt auch beim isländischen Ensemble Sokkabandid auf die Bühne. Ihre Revue sei "interaktives Theater", bei dem das Publikum zeitweise den Eindruck habe, in einer TV-Live-Show zu sitzen, sagte Hoffmann.

Steppender Hängeschrank "Dunsen"

Auch das sonstige Programm verzichtet nicht auf Skandinavien: "Das Wunder von Schweden" ist die musikalische "Wirtschaftswundersage" überschrieben, die in Recklinghausen uraufgeführt werden soll - eine Koproduktion der Festspiele und des Deutschen Schauspielhauses Hamburg. Das Programmheft verspricht die singende Sitzgruppe "Bornholm" und den steppenden Hängeschrank "Dunsen". Das Hamlet-Musical "Der Prinz von Dänemark" von und mit Harald Schmidt des Staatstheaters Stuttgart kommt sechsmal auf die Bühne in Recklinghausen. Das Open-Air-Abschlusskonzert bestreitet die finnische Gruppe Leningrad Cowboys.

Als einen weiteren Programmhöhepunkt kündigte Hoffmann zwei Aufführungen der Theaterinitiative "Bridge Project" an, in der britische und US-amerikanische Schauspieler für drei Jahre zusammenarbeiten. In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln gibt es - vom gleichen Ensemble und unter der Regie von Oscarpreisträger Sam Mendes (American Beauty) - "Der Kirschgarten" von Anton Tschechow sowie "Ein Wintermärchen" von William Shakespeare.

Die Festivalmacher planen zusammen mit dem St. Pauli Theater Hamburg auch ein Lustspiel: "Arsen und Spitzenhäubchen" mit Eva Mattes und Angela Winkler in den Hauptrollen. Mattes liest außerdem "Mio, mein Mio" von Astrid Lindgren. Ein Kabarettfestival, das "Fringe Festival" mit zwölf Produktionen freier Gruppen und ein Chanson-Konzert mit Ingrid Caven stehen ebenfalls auf dem Programm. Und sogar ein Gewerkschaftsboss betritt die Bühne: IG Metall-Chef Berthold Huber und Festivalleiter Hoffmann wollen sich am 13. Juni mit "Rameaus Neffe" von Denis Diderot in einen Disput über den Sinn des Lebens begeben. (APA/dpa)

 

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