Das Schweigen der Boku

21. Jänner 2009, 15:02
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Zu den Vorwürfen der Ex-Rektorin gibt man sich von Seiten der Uni mehr als zurückhaltend - Nur Studierende spekulieren offen darüber

So groß die Aufregung in der Öffentlichkeit um den Rücktritt der Rektorin Ingela Bruner ist, so zurückhaltend sind die Reaktionen an der Uni selbst. Mehrere Uni-interne Personen wollten zu den Vorwürfen Bruners gegenüber derStandard.at keine Stellung nehmen, mit der Begründung: Es handle sich hier um interne Angelegenheiten, weitere Berichte würden nur für noch mehr Aufregung sorgen.

Weder öffentliche noch private Meinungen wollen direkt und indirekt Betroffene äußern. Über die Telefonnummern, die auf Presseaussendungen bekannt gegeben werden, ist niemand erreichbar - und falls doch, verweist man auf die Aussendung.

Nicht einmal der Arbeitskreis für Gleichbehandlung wollte sich am Dienstagabend zu den Mobbing-Vorwürfen der Rektorin äußern, obwohl dieser eigentlich für solche Angelegenheiten zuständig ist. Heute soll dazu noch eine offizielle Stellungnahme veröffentlicht werden, hieß es auf Anfrage von derStandard.at.

Studierende überrascht

Unter den Studierenden ist Bruner jedenfalls Gesprächsthema. "Viel bekommt man ja als Studentin vom internen Geschehen nicht mit, aber von den Spannungen habe ich schon gehört", sagt die 23-jährige Nina über die Ereignisse an der Boku in den vergangenen Tagen. Sie will sich nicht auf eine Seite stellen: "Als Außenstehende ist das schwer zu beurteilen."

Eine Kollegin von ihr habe Schwierigkeiten gehabt, sich ein Bachelor-Studium einer anderen Uni anrechnen zu lassen, um ein Masterstudium zu inskribieren: "Da musste sich der Dekan erst für sie einsetzen." Der Rücktritt kam für Eva überraschend: "Dass die Situation so schlimm ist, wussten wir nicht."

Das sagt auch eine Referatsmitarbeiterin der ÖH, die gegenüber derStandard.at nicht namentlich genannt werden will: „Ich habe mir nicht gedacht, dass die Rektorin ihre Uni so schnell im Stich lässt." Was nicht nur beim Senat, sondern auch bei der Studierendenvertretung für Unmut gesorgt hat, war laut der Studentin, dass Stellen nicht nachbesetzt wurden. Zu diesem Vorwurf sagte Bruner bei ihrer Pressekonferenz am Montag übrigens, dass sie noch offene Berufungsverfahren für Stellenbesetzungen übernommen habe und jetzt erst das letzte Verfahren abgeschlossen habe.

Der 26-jährige Boku-Student Matthias meint, dass einige Senatsmitglieder voreingenommen waren."Jene, die den ehemaligen Rektor Hubert Dürrstein unterstützt haben, haben auf Fehler der neuen Rektorin gewartet. Diese hat sie dann auch gemacht."

Nachfolgerin im Gespräch

Ihr Konflikt mit dem Senat habe vielleicht nicht direkt damit zu tun, dass Bruner eine Frau ist. Eva und Matthias sind sich jedoch einig: "Als Mann wäre sie nicht so schnell weg gewesen." Wahrscheinlich hätten ihr Seilschaften und Netzwerke innerhalb der Uni gefehlt.

Die stellvertretende ÖH-Vorsitzende Maria Mursch (AktionsGemeinschaft) stellt sich klar auf die Seite der Uni: "Es geht darum, den Ruf der Boku zu bewahren." Näher will Marusch, die auch Mitglied des Senates ist, nicht auf den Konflikt eingehen: "Das sollte man nicht in der Öffentlichkeit austragen."

Die Agenden der Rektorin übernimmt seit heute, dem offiziellen Vertragsende, der Vizerektor Martin Gerzabek. Wie die „Presse" in ihrer Mittwochsausgabe berichtet, ist die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb als Nachfolgerin Bruners im Gespräch. Die Professorin war bisher nicht für eine Stellungnahme erreichbar. (Elisabeth Oberndorfer/derStandard.at, 21. Jänner 2009)

  • Es wirkt, als gebe es an der Boku (im Bild das Schwackhöferhaus) ein inoffizielles Stillhalteabkommen.
    foto: standard/manfred seidl

    Es wirkt, als gebe es an der Boku (im Bild das Schwackhöferhaus) ein inoffizielles Stillhalteabkommen.

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