Mehr Abwärme als Fernwärme

21. Jänner 2009, 18:31
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Rechnungshof rügt Sanierung - Biomasseverband drängt auf mehr Förderung

Wien - 80.000 Arbeitsplätze - mit dieser Zahl wirbt der Biomasseverband dafür, dass die neue Regierung forciert den von der EU sowieso geforderten Umbau des Energiemixes angeht. Das Paket, das Biomasse-Chef Heinz Kopetz den zuständigen Ministern dazu vorgelegt hat, beinhaltet, dass dabei vor allem auf alternative Wärmeversorgung gesetzt wird. Also statt Gas, Öl und Strom auf Fernwärme, Solarthermie und Biomasse. Würde man 100.000 Haushalte jährlich wärmetechnisch generalsanieren, hätte dies eine schnelle und hohe Energieeinsparung zur Folge und würde außerdem Arbeitsplätze schaffen, argumentiert Kopetz.

Unterstützung bekommt der Verband dabei vom Rechnungshof, der in einem Rohbericht die CO2-Emissionen untersucht hat, die auf Raumwärme zurückgehen: Die Prüfer gehen davon aus, dass die für private Haushalte und Gewerbebetriebe vorgegebenen Klimaziele deutlich verfehlt werden. Kritik übt der Rechnungshof an den Ländern, für die immer noch keine konkreten Einsparungsziele vorliegen und die mit ihrer Wohnbauförderung zunehmend Budgetlöcher stopfen, statt sie in Energieeffizienz zu investieren. Die Länder sollten die thermische Sanierung von Eigenheimen im Rahmen der Wohnbauförderung forcieren.

Die Vorschläge des Biomasseverbandes sehen vor, dass Sanierungsinvestitionen kräftig gefördert werden, nämlich in der ersten Phase des Programms mit 50 Prozent der Investitionskosten. Insgesamt sollten 1,3 Milliarden Euro öffentlicher Mittel bereitgestellt werden, sodass inklusive privater Eigenmittel ein Sanierungsvolumen von insgesamt vier Milliarden Euro entstünde.

Die Aufbringung der 1,3 Mrd. Euro sollte durch eine koordiniertere Verwendung der bisherigen Bundes- und Ländermittel (inklusive Klimafonds) erfolgen, meint Kopetz. Um einen entsprechenden Druck bei Öl- und Gasheizungsbesitzern zu erzeugen, plädiert er für einen zeitlich befristeten Zuschlag zur Mineralölsteuer von zehn bis 20 Cent pro Liter, und zwar solange der Ölpreis auf dem Weltmarkt unter 100 Dollar pro Fass liegt.

Auch eine progressiv anmutende CO2-Abgabe könnte sich Kopetz vorstellen, und zwar eine, die Käufer von Ölheizungen berappen müssen, wenn sie eine neue Heizung kaufen. Die Abgabe sollte auf die Treibhausgase abzielen, die eine Ölheizung im Laufe ihrer Nutzungsdauer emittiert.

Logisch, dass angesichts solcher Vorschläge heftigst zu fossilen bzw. alternativen Energieträgern lobbyiert wird. So werden etwa vonseiten der Elektrizitätswirtschaft die noch ausbaubaren Potenziale beim Biomasseaufkommen bezweifelt (siehe Grafik). Prognosen des Biomasseverbandes gehen davon aus, dass die gewünschten Zuwächse bei den Erneuerbaren zur Hälfte aus Biomasse (Holz, Holzschnitzel, Stroh, Grasschnitt) kommen und der Rest zu etwa gleichen Teilen aus Solarthermie, Wasserkraft und Wind. (ruz, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.1.2009)

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