Liebe war es nie

21. Jänner 2009, 14:10
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Die EU-Skepsis der Österreicher nimmt nur langsam ab - Die Abneigung gegen EU-Erweiterungen wird dafür größer - mit Grafik

Mit kleinen, aber stetigen Schritten nähert sich Österreichs EU-Skepsis einem europäischen Mittelwert - aus den EU-Muffeln werden zwar keine EU-Liebhaber, aber zumindest "ist etwas Bewegung in die richtige Richtung hineingeraten", so Kommissionsvertreter Richard Kühnel anlässlich der Präsentation des nationalen Eurobarometer-Berichts Herbst 2008.

39 Prozent der ÖsterreicherInnen bewerten die EU-Mitgliedschaft demnach als "eine gute Sache". Mit diesem Anstieg um drei Prozentpunkte nimmt Österreich nur mehr den viertletzten Platz ein. Die Frage, ob die EU-Mitgliedschaft für Österreich von Vorteil sei, bejahten 47 Prozent der Befragten (plus 11). Trotz Annäherung liegt Österreich damit freilich immer noch im hinteren Bereich der EU-Mitgliedsländer.

Zu früh, um von einem Trend zu sprechen

Es ist schon so etwas wie eine europäische Tradition, dass halbjährlich mittels Eurobarometer Einstellungen rund um die EU in ihren Mitgliedsländern sowie Kroatien, Türkei, Zypern (türkischer Teil) und Mazedonien erfragt werden.
Österreich liegt dabei in den beiden Kernfragen - ob die Mitgliedschaft eine gute/schlechte Sache ist und ob sie Vorteile/Nachteile bringt - konstant 10 bis 15 Punkte unter EU-Schnitt - auch wenn die aktuelle Befragung auf einen Aufwärtstrend hindeutet. "Es ist noch zu früh, um von einem Trend zu sprechen", meint Harald Pitters, Eurobarometer-Projektleiter am österreichischen Gallup-Institut.

Krise und Konflikt

1.003 ÖsterreicherInnen wurden vom Gallup-Institut vom 6. bis 28. Oktober 2008 befragt - in den Wochen des Bekanntwerdens der Finanzkrise und außerdem angesichts des kurz zuvor durch EU-Diplomatie entschärften Konfliktes zwischen Georgien und Russland. Themen, die auch auf die Ergebnisse Einfluss hatten. Fast die Hälfte der ÖsterreicherInnen glaubt, dass die Mitgliedschaft in der Union vor den Auswirkungen der Globalisierung schützt. Für die Währungsunion und den Euro sprechen sich 74 Prozent aus - 13 Prozent mehr als im EU-Durchschnitt.

"Ein Rucksack aus Ängsten und Sorgen"

Aber auch Wermutstropfen bringt der aktuelle Eurobarometer-Bericht. Mehr als je zuvor sträuben sich die ÖsterreicherInnen gegen Erweiterungen der Union. 67 Prozent (plus 4) sind gegen jede zusätzliche EU-Erweiterung. Außerdem glauben unsere Landsleute mehrheitlich (53 Prozent), Österreich habe vom Fall des Eisernen Vorhanges nicht profitiert - ein Wert, den Kühnel als "bedenklich" bezeichnet. Da gelte es, die Informationsarbeit zu verbessern. "Offenbar hatten wir von Anfang an einen Rucksack aus Sorgen und Ängsten, der nie ganz ausgeräumt wurde".

"Die Herzen noch nicht erreicht"

"Es gelingt uns offenbar immer besser, rational zu überzeugen. Aber wir haben die Herzen der Menschen sicher noch nicht erreicht", bilanzierte Kühnel.
Herzensangelegenheit oder nicht - 50 Prozent der Befragten haben vor, bei der Europawahl im Juni ihre Stimme abzugeben - eine deutliche Steigerung von elf Prozentpunkten seit der letzten Umfrage. "Wenn sich dieser Trend fortsetzt, können wir mit einer höheren Wahlbeteiligung rechnen", meint Pitters. Bei der letzten EU-Wahl 2004 lag diese bei 42,4 Prozent. (Anita Zielina, derStandard.at, 21.1.2008)

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