In Zukunft wohnt man clever

21. Jänner 2009, 13:45
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Smart Homes sind Häuser, die denken. Die Zukunft jedoch liegt im Smart Living - Wohnungsmarktforscher Daniel Maerki im STANDARD-Interview

Das Gespräch führte Gerhard Rodler.

STANDARD: Inwiefern wohnt man im Jahr 2018 anders als heute?

Maerki: Allgemein wird das Wohnen flexibler sein. Wir werden viel mehr Möglichkeiten haben, unseren Wohnbereich individuell zu gestalten. Außerdem wird man das Wohnen mehr und mehr auch als Dienstleistung verstehen. Online-Dienste etwa werden in den Wohnbereich eingebunden sein.

STANDARD: In Ihrem Buch "Wohnen 2018" sprechen Sie von Smart Living. Was deckt dieser Begriff ab?

Maerki: Smart Living ist eine sehr umfassende Sicht auf das Wohnen von morgen. Es vernetzt soziale, technologische, ökologische und ökonomische Aspekte. Das bedeutet: Künftige Smart-Home-Konzepte müssen jeweils im sozialen Kontext der Bewohner und ihrer Bedürfnisse betrachtet werden. Außerdem sollten sie ökologischen Prinzipien folgen und natürlich auch wirtschaftlich leistbar sein.

STANDARD: Das heißt, die intelligenten Smart Homes ohne gesamtheitlichen Bezug sind nicht mehr aktuell?

Maerki: Ich denke, dass die Smart Homes als technologische, sogenannte Stand-alone-Lösungen gescheitert sind. Erfolgreich sind Smart-Living-Konzepte nur dann, wenn sie auch vonseiten der Wohnungswirtschaft betrachtet werden und in die jeweilige Unternehmensstrategie eingebettet sind.

STANDARD: Gibt es in Österreich bereits Erfahrungen mit Smart Living?

Maerki: Manche meiner Ideen und Konzepte wurden schon einmal umgesetzt. Umfassende Projekte hingegen wurden bisher kaum realisiert. Ein gutes Beispiel ist jedoch das Wohnbase-Konzept, das wir mit der Raiffeisen evolution entwickelt haben und das in der Zwischenzeit in mehreren Wohnbauprojekten umgesetzt wurde.

STANDARD: Konkrete Beispiele bitte!

Maerki: Wir haben zum Beispiel eine umfassende computerbasierte Wohnungssteuerung entwickelt, mit der Sie ohne technische Kenntnisse sehr umfassende Funktionen wie Multimedia, Sicherheit und Komfort über eine bedienerfreundliche Oberfläche am Fernseher mit der Fernbedienung steuern können. Kostenpunkt knapp 3000 Euro. Bei Smart Living geht es aber auch um eine gewisse Denkkultur. Wir beobachten steigende Einkommensunterschiede. Zukunftsorientiert zu planen bedeutet, diesen Trend zu berücksichtigen. Wir haben uns daher weniger mit dem Luxussegment auseinandergesetzt als vielmehr mit dem mehrgeschoßigen Wohnbau. Bei den sinkenden Haushaltsgrößen, mit denen es wir zu tun haben, ergibt das ein großes Feld an Ressourcenteilung. Das reicht von Car-Sharing über die Einrichtung von Veranstaltungsräumen bis hin zu sozial nachhaltigen Themen wie etwa Quartiersmanagement.

STANDARD: Sind diese Konzepte nicht eher eine Behübschung von Wohnbauprojekten, die sonst nur schwer zu vermarkten wären?

Maerki: Nein. Wir beobachten seit einiger Zeit einen zunehmenden Wandel vom Angebots- zum Nachfragemarkt. Neben den klassischen Kriterien wie Lage und Ausstattung muss ein Haus oder eine Wohnung daher zunehmend auch auf die künftigen Bedürfnisse der Bewohner reagieren und dafür Lösungen und Konzepte anbieten. Wohnbauträger müssen sich in Zukunft neu positionieren. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.1.2009)

  • Maerki: "Als technologische Stand-alone-Lösungen sind Smart Homes gescheitert. Erfolgreich sind diese Konzepte nur dann, wenn sie auch vonseiten der Wohnungswirtschaft betrachtet werden."
    foto: das fernlicht

    Maerki: "Als technologische Stand-alone-Lösungen sind Smart Homes gescheitert. Erfolgreich sind diese Konzepte nur dann, wenn sie auch vonseiten der Wohnungswirtschaft betrachtet werden."

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