Krisensignale aus Osteuropa

21. Jänner 2009, 17:46
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Bank Austria-Chef Hampel fordert einen international akkordierten "Plan für Osteuropa"

Wien - Die "Euromoney" -Konferenz am Montag und Dienstag gab ein eindeutiges Stimmungsbild in Bezug auf Chancen und Risiken in Osteuropa wider. Der Chef der ungarischen Notenbank, András Simor, kündigte eine überarbeitete Prognose seines Hauses an, in der die Rezession deutlicher zum Ausdruck kommen werde als mit dem bisher erwarteten Minus von 1,7 Prozent. Auch der polnische Zentralbank-Direktor, Zbigniew Hockuba, kündigte eine Revision der Prognosen an. Und sein serbischer Kollege Dadovan Jelasic meinte, die von Belgrad geschätzte Steigerung von 3,5 Prozent im laufenden Jahr dürfte nicht realistisch sein.

Bank-Austria-Chef Erich Hampel - das Institut ist der größte Kreditgeber in Osteuropa - tritt nun angesichts der Turbulenzen für einen koordinierten Hilfsplan für die Region ein. An dem sollten alle Player und Institutionen mitwirken. Über ein allfälliges Volumen eines solchen umfassenden Unterstützungspakets machte er keine Angaben. Die Banken seien jedenfalls bereit, als verantwortungsbewusste und langfristige Investoren ihre Rolle zu spielen.

400 Milliarden benötigt

Einige Andeutungen über mögliche Volumina wurden dennoch gegeben. Wie Experten der Bank-Austria-Mutter UniCredit vorrechneten, braucht allein der Bankensektor in Ost- und Südosteuropa inklusive Russland und Ukraine mehr als 400 Mrd. Euro an Liquidität von außen, um das Wachstum aufrechtzuerhalten. Der - in vielen Ländern im Osten international dominierte - Bankensektor sei eine Triebkraft für das Wachstum der Region, und UniCredit zählte zu den Pionieren.

In den Budgets für 2009, die noch nicht veröffentlicht sind, sei vorgesehen, "dass wir alle Linien verlängern" und wenn nötig ausdehnen, erklärte Hampel. UniCredit werde die Ostbanken weiter mit den nötigen Mitteln ausstatten. Kapitalerhöhungen in den CEE-Töchtern stünden hingegen nicht auf der Agenda.

Die Konditionen für die Kreditvergabe wurden infolge der Krise bereits verschärft. Viele Haushalte in der Region stöhnen unter ihrer Schuldenlast: Ein Teil davon stammt von den Fremdwährungskrediten, deren Bedienung durch den Währungsverfall in der Ukraine, Rumänien oder Polen deutlich verteuert wurde. Immerhin müssen die Haushalte in Zentral- und Osteuropa im Schnitt mehr als 30 Prozent ihres Einkommens zur Schuldenrückzahlung berappen, geht aus einer UniCredit-Untersuchung hervor. In Euroland sind es vergleichsweise rund zehn Prozent. (as, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2009)

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