EU: Neues Medikament gegen Gelenksrheuma

21. Jänner 2009, 13:14
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Wichtige Studie von Wiener Rheumatologen durchgeführt - Rückgang der Symptome um mindestens 20 Prozent

Wien/Basel/Brüssel - Mit Tocilizumab, einem monoklonalen Antikörper gegen die Rezeptoren für den Immunbotenstoff Interleukin-6 (IL-6), hat die EU jetzt ein völlig neues Medikament zur Behandlung der chronischen Polyarthritis ("Gelenksrheuma", rheumatoide Arthritis) zugelassen. Das teilte der Schweizer Pharmakonzern Roche mit.

Heimtückische Krankheit

Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet an Gelenksrheuma. Die heimtückische Krankheit kann unbehandelt sehr schnell in die Invalidität führen. Nach Biotech-Medikamenten zur Hemmung des körpereigenen Entzündungs-Botenstoffes TNF-alpha und zur Beseitigung der ebenfalls beteiligten B-Zellen gibt es jetzt ein neues Wirkprinzip: Einen monoklonalen Antikörper zur Blockade der Rezeptoren für Interleukin-6 (IL-6).

Wiener Studie

Bewerkstelligt wird das mit dem monoklonalen Antikörper Tocilizumab. Im März vergangenen Jahres publizierten der Wiener Rheumatologe Josef Smolen (Rheumatologie/Universitätsklinik für Innere Medizin III/ AKH und Krankenhaus Hietzing) und seine Co-Autoren im "Lancet" eine große internationale Phase-III-Studie zur Effektivität des neuen Wirkprinzips.

Smolen damals: "Interleukin-6 ist an der Entstehung der rheumatoiden Arthritis über seinen breiten Effekt auf Immun- und Entzündungsreaktionen beteiligt. Wir wollten untersuchen, ob mit dem monoklonalen Antikörper eine Wirkung bei chronischer Polyarthritis erreicht werden kann."

Rückgang der Symptome

In die Studie aufgenommen wurden 623 Patienten mit mäßiger bis schwerer Polyarthritis. Alle bekamen als Basismedikation Methotrexat. 205 der Betroffenen erhielten zusätzlich alle vier Wochen eine Infusion mit acht Milligramm des monoklonalen Antikörpers, weitere 214 Patienten bekamen vier Milligramm Tocilizumab. 204 Kranke erhielten hingegen ein Placebo.

Nach 24 Wochen wurde die Wirkung bestimmt. Dabei zeigte sich, dass es bei 120 oder 59 Prozent der Gruppe mit der höheren Dosierung des monoklonalen Antikörpers zu einem Rückgang der Symptome um mindestens 20 Prozent gekommen war. In der Gruppe mit der kleineren Dosierung war das bei 48 Prozent (102 Patienten) der Fall. Bei den Kranken, welche das Placebo erhalten hatten, zeigte sich bei nur 26 Prozent (54 Kranke) eine solche Verbesserung. Eine 50-prozentige Verbesserung wurde bei fast 40 Prozent der Patienten in der höheren Dosierung, aber nur bei etwa zehn Prozent der Patienten unter Placebo gesehen.

Remission erreichbar

Noch ist unklar, welche Patienten am besten von Tocilizumab profitieren. Smolen: "Mit den bisher vorhandenen Biologica zur Hemmung des Tumornekrosefaktors alpha (TNF-alpha, Anm.) kann man bei 15 bis 20 Prozent der Behandelten eine Remission (Stillstand der Erkrankung, Anm.) erreichen. 60 bis 70 Prozent zeigen eine Verbesserung ihres Zustandes."

Zugelassen ist das neue Arzneimittel für die Behandlung von Patienten mit moderater bis schwerer Polyarthritis als Kombination mit Methotrexat, wenn die anderen vorhandenen Biotech-Arzneimitteln nicht verwendet werden können oder wirkungslos geblieben sind. (APA)

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