Walchhofer-Bestzeit trotz Schrecksekunde

21. Jänner 2009, 19:11
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Training in Kitzbühel konnte nach mehreren Unterbrechungen durch­geführt werden - Hermann Maier spielte indessen mit dem Schwungansatz

Kitzbühel - Rindfleisch mit Bambus und Morcheln. Auch das ist eine Möglichkeit, sich für die 69. Hahnenkammrennen einzustimmen, und es ist nicht die schlechteste. Schließlich gibt es alles in der weltberühmten Gamsstadt, die einen im Zielstadion auf Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch Willkommen zu heißen pflegt. Beim Asiaten gibt es kulturgemäß Staberln, mit denen sich mit den Morcheln spielen lässt. Das Spiel ist insofern schön, als die Morcheln kinderleicht zu bezwingen sind, während der Reis einen ernsthaften Gegner abgibt und bisweilen zu Achtungserfolgen kommt. Schließlich kann sich nicht jeder mit den Schwungansätzen auf der Streif spielen wie Hermann Maier.

Der Mangel

Naturgemäß gibt es nicht immer alles in Kitzbühel. So hat sich die Sonne, die laut Zimmerwirtin zuletzt vier Wochen lang täglich erschien, in den vergangenen beiden Tagen nicht anschauen lassen. Am Mittwoch schneite es zunächst wenigstens nicht, mimte nur der Nebel einen Störenfried; dieser konnte das erste Abfahrtstraining zwar in die Länge ziehen, aber nicht verhindern. Die erste lange Pause gab es nach den acht Vorläufern, die ihren Job erfolgreich einer Erledigung zugeführt hatten. Sechs davon hatten sich im Dezember bei einem Casting auf dem Ganslernhang, das der Kitzbüheler Skiclub initiiert hatte, um den diesbezüglichen Mangel zu beheben, dafür qualifiziert.

Das Essen

"Ich hab davon beim Mittagessen im Radio gehört", erzählt Stefan Gmür (30), Ostschweizer aus Amden, "und mich gleich im Internet angemeldet." 75 Hoffnungsfrohe hatten sich damals beworben, nicht wenige davon waren, so Gmür, nicht einmal ansatzweise talentiert genug. "Ein tolles Erlebnis", sagt der Dachdecker Gmür, der es als Rennläufer nicht bis an die Spitze geschafft hatte. "Ich bereue es nicht." Er glaube, dass er neben Kost und Logis 500 Euro erhalte, "aber darum geht es nicht".

Unter den Rennläufern werden in den vier Bewerben insgesamt 550.000 Euro verteilt. Der Abfahrtssieg zahlt 70.000. Die Bestzeit im ersten Training lieferte Michael Walchhofer (1:59,58) vor dem Schweizer Vorjahrssieger Didier Cuche und Christoph Gruber. "Wir haben ja was gutzumachen nach Wengen", sagt der Führende im Abfahrtsweltcup, anspielend auf das debakulöse Abschneiden in der Lauberhorn-Abfahrt, die Walchhofer als 26. beendete.

Das Adrenalin

Beim mit 136 km/h absolvierten Zielsprung stiegen die Skispitzen des Zauchenseers bedrohlich in die Höhe, zwecks Korrigierung musste er die ideale Position aufgeben. "Für einen Adrenalinschub war das aber zu wenig", kommentiert Walchhofer, der sich eher darum sorgt, dass ein derartiges Verhalten im Rennen zwei Zehntel kosten würde.

Mit Klaus Kröll (8.) kommt das Thema wieder aufs Essen. "Erst nach dem Essen", sagt der Steirer, der seit Wengen mit drei gebrochenen Handwurzelknochen unterwegs ist, "werde ich den Gips wieder anlegen". Auf der Piste ist er mit einer Kunststoffschiene unterwegs und wird das noch fünf Wochen lang sein müssen. Was Kröll zuversichtlich stimmt: "In der Position habe ich überhaupt keine Schmerzen. Ich habe noch viele Reserven." Im Rennen werde er sich überwinden und beim Start auch noch fest antauchen.

Das Spiel

Und mit Maier (5.) wird wieder das Spiel thematisiert. Wie die Kollegen bedachte er die heurige Präparierung der Streif mit viel Lob. Sie sei nicht so wellig wie im Vorjahr. "Es ist viel angenehmer zu fahren. Heuer kann man sich wieder richtig mit dem Schwungansatz spielen, kann angreifen." Im ersten Training war's noch ein Spielchen, "ein paar Abschnitte waren okay, aber viel gesehen hat man nicht." Wenn der Himmel will, wird am Donnerstag noch einmal trainiert, am Freitag der Super-G, am Samstag die Abfahrt und am Sonntag der Slalom gefahren, der mit der Abfahrt klassisch kombiniert wird. (Benno Zelsacher - DER STANDARD PRINTAUSGABE 22.1. 2009)

Mittwoch-Ergebnisse vom ersten Training der Herren für die alpine Ski-Weltcup-Abfahrt am Samstag in Kitzbühel:

  1. Michael Walchhofer (AUT)  1:59,68 Min.
2. Didier Cuche (SUI) +0,82 Sek.
3. Christoph Gruber (AUT) 1,40
. Bode Miller (USA) 1,40
5. Hermann Maier (AUT) 1,42
. Ambrosi Hoffmann (SUI) 1,42
7. Klaus Kröll (AUT) 1,65
8. Pierre-Emmanuel Dalcin (FRA) 1,66
9. Aksel Lund Svindal (NOR) 1,85
10. Marco Sullivan (USA) 2,10
11. Georg Streitberger (AUT) 2,22
weiter:
18. Benjamin Raich (AUT) 3,51
30. Christoph Alster (AUT) 4,73
32. Romed Baumann (AUT) 4,80

nicht am Start: Hannes Reichelt (AUT) nicht im Ziel: Steven Nyman (USA), Peter Fill (ITA)

disqualifiziert wegen Torfehlers u.a.: Peter Struger, Joachim Puchner (beide AUT), Marco Büchel (LIE), Didier Defago, Daniel Albrecht (beide SUI), Erik Guay (CAN)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Walchhofers Haltung bein Zielsprung ist alles andere als vorbildlich.

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