Botschafter: Obama-Inauguration verwirklicht amerikanischen Traum

21. Jänner 2009, 09:12
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Republikaner Girard-diCarlo kann dem Demokraten Obama viel abgewinnen - "Ich hoffe, dass meine Partei mit ihm zusammenarbeitet" - Noch diese Woche Abschied von Wien

Wien - Der scheidende US-Botschafter in Österreich, David Girard-diCarlo, betrachtet die Amtseinführung des neuen Präsidenten Barack Obama als Verwirklichung des amerikanischen Traumes. "Es spielt keine Rolle, wer Deine Eltern sind, es spielt keine Rolle, ob Du Geld hast oder nicht. Wenn Du talentiert bist und die Menschen inspirierst, kannst Du Präsident werden", sagte der Botschafter, der bereits diese Woche in die USA zurückkehrt, Dienstagabend in einem Interview mit der APA. "Ich denke, das ist eine aufregende Zeit für mein Land."

Der Botschafter, der von Obamas Amtsvorgänger George W. Bush im Vorjahr nach Wien entsandt wurde, beantwortete die Frage, wie er den Augenblick der Amtseinführung des ersten schwarzen Präsidenten in der Geschichte der USA empfinde, mit den Worten: "Es ist eine wahrhaft großartige Zeit für mein Land. Das ist eine einzigartige Amtseinführung, die Verwirklichung des amerikanischen Traums." Sein Land sei in der Geschichte durch Schwierigkeiten gegangen, die durch die heutige Amtseinführung "hoffentlich für immer" überwunden seien, sagte Girard-diCarlo unter Hinweis auf die Überwindung der Sklaverei und die Durchsetzung der Bürgerrechte.

"Wir alle machen Fehler"

Auf die Frage nach Fehlern in der Amtszeit des scheidenden Präsidenten George W. Bush, etwa hinsichtlich der Klimaerwärmung, der nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak oder des international vehement kritisierten Gefangenenlagers Guantanamo, gab sich der Botschafter ebenso loyal wie zurückhaltend: "Jeder Mensch macht Fehler. Wir alle machen Fehler. Es gibt keinen Menschen auf der Welt, der nicht irgendeinen Fehler gemacht hat. Ich bin ziemlich sicher, auch Präsident Obama wird Fehler machen." Es sei jetzt an der Zeit, "nach vorne zu blicken und nicht zurück".

Er hoffe, dass Präsident Obama von den Menschen unterstützt werde, dass er seine Chance erhalte. "Wir brauchen seinen Erfolg, nicht nur als Amerikaner, sondern auch als Weltbürger. Präsident Obama muss erfolgreich sein und ich hoffe, dass er es sein wird." Auf die Frage, ob die weltweiten Erwartungen in Obama nicht überzogen seien, sagte der Botschafter, es sei wichtig, realistische Erwartungen zu formulieren.

Die Probleme, denen die USA gegenüberstehen, seien "nicht in den letzten Jahren" entstanden, sondern über Jahrzehnte hinweg gewachsen. Obama habe eine lange Liste von Problemen, die in Angriff zu nehmen seien - daheim wie in der Außenpolitik. Die Frage, was seiner Meinung nach die wichtigsten offenen Probleme seien, wollte der Botschafter nicht beantworten: "Was ich denke, ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, was Präsident Obama darüber denkt - und er wird es sagen."

Auf die Frage, ob es eine Rolle spiele, dass Obama der Demokratischen Partei angehöre, sagte der Republikaner Girard-diCarlo: "Ich bin ein Leben lang Republikaner, aber vor allem bin ich Amerikaner. Ich wünsche mir, dass Obama Erfolg hat. Ich hoffe, dass meine Partei nicht nur Opposition betreiben wird. Es wird Zeiten ernsthafter Diskussionen über politische Inhalte geben, aber letztlich hoffe ich, dass wir ihn in den meisten Fällen unterstützen, dass wir mit ihm zusammenarbeiten und nicht gegen ihn sind." Der Botschafter hatte bereits zuvor seine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass Obama zwei Amtszeiten zur Verfügung stehen werden.

Zu bilateralen Problemen zwischen den USA und Österreich - etwa die Verärgerung der USA über den Deal der österreichischen OMV mit dem Iran - ließ sich der Botschafter keine Äußerung entlocken. "Die Fragen, die ich in meiner Amtszeit mit der österreichischen Regierung erörtert habe, sind der österreichischen Regierung bestens bekannt. Ich werde keine Kritik über die Medien üben."

Persönlich würde er gerne länger in Wien bleiben. Doch sei das amerikanische System, wonach die Botschafter vor der Amtseinführung eines neuen Präsidenten ihren Rücktritt anbieten, selbstverständlich zu respektieren. "Österreich ist ein großartiges Land und ich liebe die Menschen." Seine abschließende Botschaft an Österreich sei "Auf Wiedersehen", sagte der scheidende Botschafter auf Deutsch.

Girard-diCarlo hatte die "Bush-Cheney"-Wahlkampagne im Jahr 2000 erfolgreich geleitet und war im Frühling 2008 von Bush zum Botschafter in Wien ernannt worden. Am 3. Juli war der frühere Vorsitzende der Anwaltskanzlei Blank Rome LLP mit seiner Ehefrau Connie nach Wien gekommen und hatte Anfang September Bundespräsident Heinz Fischer sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Die Entscheidung über seinen Nachfolger wird von der Administration des neuen Präsidenten Obama getroffen. (APA)

 

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