Brutaler Auftragsmord schockt Moskau

20. Jänner 2009, 18:58
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Noch ist unklar, wer den Mord an dem Moskauer Anwalt Stanislaw Markelow und einer Journalistin in Auftrag gegeben hat

Noch ist unklar, wer den Mord an dem berühmten Moskauer Anwalt Stanislaw Markelow und einer Journalistin in Auftrag gegeben hat. Menschenrechtsorganisationen vermuten einen politischen Hintergrund.

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Die Ermordung eines berühmten Menschenrechtsanwaltes und einer jungen Journalistin am helllichten Tag im Zentrum von Moskau hat die Bevölkerung in einen Schockzustand versetzt. Am Dienstag versammelten sich hunderte Menschen am Tatort, der sich unweit der österreichischen Botschaft befindet, um mit Blumen und Kerzen der beiden Ermordeten zu gedenken.

Der 34-jährige Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow wurde am Montag kurz nach 14 Uhr auf der belebten Pretschistenka-Straße von einem Mann mit grüner Skimaske mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Seine Begleiterin, die 25-jährige Journalistik-Studentin Anastasia Baburowa, wurde ebenfalls am Kopf getroffen und verstarb wenig später im Krankenhaus. Baburowa absolvierte gerade ein Praktikum bei der kritischen Zeitung Nowaja Gaseta, bei der die 2006 ermordete Journalistin Anna Politkowskaja arbeitete.

Die beiden kamen gerade von einer Pressekonferenz, bei der Markelow ankündigte, gegen die Freilassung des russischen Obersten Juri Budanow bei einem internationalen Gericht Rechtsmittel einzulegen. Budanow wurde 2003 zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er die 18-jährige Tschetschenin Elsa Kungajewa brutal misshandelt und ermordet hatte. Vergangene Woche wurde Budanow vorzeitig aus der Haft entlassen. Budanow wird in rechtsextremen Nationalistenkreisen als Held verehrt.

Der Ermittler der Staatsanwaltschaft, Anatoli Bagment, stellte daher auch eine Verbindung zu rechtsextremen Gruppierungen her, die derzeit in Moskau ihr Unwesen treiben. Ermittelt werde allerdings in alle Richtungen, sagte Bagment laut der Agentur Interfax.

"Stanislaw Markelow hat sich in vielen Angelegenheiten Feinde gemacht" , sagt Oleg Orlow, Vorsitzender der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial. So hat er auch den Journalisten Michail Beketow vertreten, der im Herbst ins Koma geprügelt wurde, weil er gegen die Abholzung eines Waldstückes in Moskau kämpfte, das einer neuen Autobahn zum Opfer fallen sollte. "Dabei ist viel Geld und Korruption involviert", sagt Orlow. Dass der russische Inlandsgeheimdienst FSB seine Finger im Spiel hat, hält Orlow hingegen für unwahrscheinlich. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2009)

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