Mit der angekündigten Truppenaufstockung sei es nicht getan, sagte er zu Julia Raabe.
*****
Standard: Obama hat Afghanistan zur Priorität erklärt. Was werden die markantesten Änderungen in der Strategie sein?
Danspeckgruber: Wir haben vier Krisensituationen in der Gegend: Es ist ein Schlüsseljahr für Afghanistan wegen der Präsidentenwahlen in diesem Jahr und der Parlamentswahlen 2010. Nicht zuletzt durch die Mumbai-Terrorattacken ist das Problem Indien/Pakistan wieder sehr hochgekommen. Die Krisen in den USA/Iran-Beziehungen haben Auswirkungen auf die Stabilität in Afghanistan. Und viertens die generelle Verschlechterung der Empfindung bezüglich Sicherheit und Regierungsführung. Das hängt alles zusammen. Deshalb ist es sehr schwierig, eine Gesamtstrategie zu entwickeln - und noch schwieriger, diese auch umzusetzen.
Standard: Was also müsste die Strategie umfassen?
Danspeckgruber: Eines ist die Verstärkung der Streitkräfte um bis zu 30.000. Zweitens müssen wir eine umfangreiche Strategie entwickeln, damit die Wahlen irgendwo akzeptabel sind für die Afghanen. Das ist für mich ein Hauptpunkt: By the Afghans, with the Afghans, for the Afghans and Afghanistan. Es ist ganz wichtig, dass die Afghanen das Gefühl haben, sie agieren in Eigenverantwortlichkeit. Nicht, dass sie das Gefühl haben, dass sich die Staatengemeinschaft wie eine neo-koloniale Macht verhält.
Standard: Erschwert dann nicht die Tatsache, dass neue Truppen geschickt werden, dieses Ziel?
Danspeckgruber: Völlig richtig. Man kann diese 30.000 neuen Truppen nur hineinschicken, wenn man gleichzeitig mit den Afghanen eine Strategie entwickelt, um zu erklären, warum die neuen Soldaten kommen. Die Bevölkerung als solche will ja die Taliban nicht. Ich glaube, dass Präsident Obama die richtigen Leute hat, die sich darüber im Klaren sind.
Standard: Präsident Karzais Bruder soll in Drogengeschäfte verwickelt sein, Nato-Chef de Hoop Scheffer sieht das Hauptproblem in schlechter Regierungsführung. Ist Karzai noch glaubwürdig?
Danspeckgruber: Sicherlich gibt es da wirkliche Schwächen. Die internationale Gemeinschaft hat allerdings durch den Irakkrieg viele zugesagten Mittel nicht nach Afghanistan vergeben. Milliarden sind in Afghanistan nie angekommen. Viel internationale Hilfe wurde nicht durch die afghanische Regierung ausgehändigt, sondern direkt durch die Staatengemeinschaft. Aus Public-Relations-Sicht hat Karzai also keine Wertschätzung dafür erhalten. Aber das soll eine möglichst glaubwürdige Wahl entscheiden. Ich bevorzuge es, die Wahl zu verschieben, bevor es eine schlechte Wahl ist, bei der die Leute das Ergebnis nicht akzeptieren. Dann hätten wir totales Chaos. Wir müssen auch sofort aufhören, zivile Opfer in Kauf zu nehmen. Das ist eine Katastrophe. Dann lieber nicht schießen.
Standard: Müssen sich die Europäer mit der Amtseinführung darauf gefasst machen, bald mehr Truppen nach Afghanistan zu schicken?
Danspeckgruber: Nicht notwendigerweise Truppen. Aber wir müssen uns mehr einbringen. Das können auch kleine Sachen sein, Transfer von Wissen. Ich kann nur sagen: Wir können es uns nicht leisten, Afghanistan zu verlieren.
Standard: Im Gegensatz zu Afghanistan will Obama aus dem Irak abziehen. Viele befürchten dann genau so ein Chaos.
Danspeckgruber: Ich verstehe, dass er das sagt, weil in den USA da ein enormer Druck herrscht. Aber es muss Teil einer ausgewogenen nationalen Strategie sein, die auch ein ausgeklügeltes regionales Konzept nötig macht. Ich fürchte, man kann die Präsenz im Irak nur reduzieren, wenn man in irgendeiner Weise einen kleinen Handel mit dem Iran macht. Wir brauchen einen neuen Modus vivendi mit dem Iran, der gefunden werden kann, wenn man beginnt, Kontakt zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten zu etablieren.
Standard: Obama hat sich ja schon zu direkten Gesprächen bereiterklärt. Wird das bald stattfinden?
Danspeckgruber: Ich hoffe, dass das so umgesetzt wird, wie er es schon in der Wahlkampagne angedeutet hat. Es ist aber nicht leicht - weil es auch in den USA nicht leicht ist, das innenpolitisch zu verkaufen. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2009)
Zur Person: Der gebürtige Linzer Wolfgang Danspeckgruber (52) ist Professor für Internationale Beziehungen und Afghanistan-Experte. Er leitet das Liechtenstein Institute an der Princeton University.
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im Economist gelesen. Na ja die Moderne Kriegsführung kann halt nicht anders als neben den Bösen auch ein paar Zivile Opfer aus der Luft zu erschießen das müssten sozusagen die Opfer einsehen ( Afghanistan wurde auch erwähnt) Mir hats nach dem Kommentar der Economist der ist ja sozusagen die "Wahrheit" Brawda des Westens, die Sprache verschlagen.
Man will ganz einfach nur noch einen bequemen Krieg führen. Man will sich weder mit der Bevölkerungs auseinandersetzen noch Geld ausgeben sondern ein wenig mit Dronen in der Gegend herumkurven und Lauf und Schießübungen veranstalten. Wenn man so die Segnungen des Westens vermittelt dann ist es vieleicht besser die Taliban setzen sich durch denn mehr Tote werden sie auch nicht verursachen.
Wieviele Milliarden wurden versprochen, was kam nach Afghanistan, wie wurde es verwendet, was kostete die Militärpräsenz, wie hat sich in diesen sieben Jahren das Leben der Bevölkerung verbessert, warum können wir uns nicht leisten, Afghanistan zu verlieren, welcher Handel mit dem Iran scheint ihm denkbar, etc.. Diese allgemeinen Aussagen könnte ich alleine aufgrund meiner Standardlektüre (vor diesem Interview) von mir geben. Sie bräuchten mir nur sagen, dass sie gerne den Standpunkt der USA und Deutschlands widergespiegelt sehen wollen.
Ich weiß ja nicht, ob die Interviewerin den Eindruck hatte, mit genauen Fragen den Herrn Professor in Verlegenheit zu bringen. Versucht hätte ich es aber schon.
Ihre Reaktion zu diesem sehr kurzen Interview verstehe ich. Einen laengeren Bericht ersehen Sie bitte auf www.princeton.edu/lisd.
Im interview erlaeuterte ich dass in Bereichen wie Infrastruktur, Gesundheitsvorsorge (f. 80%), Erziehung (mehr als 7 mio Schueler), etc. Fortschritte erzielt wurden, dass aber die Bevoelkerung u.a. durch Probleme bei der Austeilung von Hilfe in mehr als 50% des Landes sowie der hohen Zivilverluste, mehr als 8,000 in 2008, sowie Korruption, etc. zusehends kritisch wird. Uber 50% der mehr als $10bio von den USA zugesagten Assistenz seit 2002 gehen typischer weise in internationalen Personal Kosten auf - auch zu Private Contractors. Das nunmehrige "blame game" mit KAbul verschlechtert die perception weiters.
Wer ist "internationale Gemeinschaft" ?
wird meist als Propagandabegriff für erweiterte Natointeressen verwendet .
was hat die nato in Afghansitan zu suchen .
911 war immer Vorwand und ist heute weitgehend als fals flag enttarnt (auch wenns öffentlich nicht ausgesprochen werden kann und manche nicht wahrhaben wollen)
Die usa waren ,wie bekannt ,die Geburtshelfer der Taliban .Inwieweit sie heute Einfluß in Afghanistan haben ,entzieht sich meiner Kenntnis .
Das Problem der Afghanen scheint mir mehr die nato Besatzung als Taliban .
Die Einzige Lösung : Nato raus aus Afghanistan
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