Videointerviews mit Kiefer Sutherland, Regisseur Jon Cassar sowie den Schauspielern Annie Wersching und Carlos Bernard

Kiefer Sutherland als Jack Bauer in der US-Actionserie "24": In den neuen Folgen stellt er sich Foltervorwürfen.
Die Actionserie "24" schafft in den USA auch in der siebenten Saison Höchstquoten. Kiefer Sutherland jagt wieder Bösewichte. Mit Doris Priesching sprach er über Folter im Fernsehen und seine Lieblingsserie.
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STANDARD: Kritische Beobachter sehen in Jack Bauer den Archetypus der Bush-Administration. Verstehen Sie das?
Sutherland: Ich verstehe es, aber ich bin völlig anderer Meinung. Jack Bauer ist der Archetypus gar keiner Administration. In Wahrheit ist er ein sehr unpolitischer Charakter. Er arbeitete für verschiedene Präsidenten. Er hat keine Verbindlichkeiten zum Politischen, er hat eine Verbindlichkeit zur Moral. David Palmer (Dennis Haysbert, Anm.) war der erste afroamerikanische Präsident im Fernsehen, die beiden hatten eine unglaubliche Beziehung. Gregory Itzin (Charles Logan, Anm.) war dagegen ein gemeiner Präsident. Ihn gab es, um einen republikanischen Präsidenten in der Show zu haben. Er war in illegale Machenschaften verwickelt. Jack Bauer manövriert sich durch sie alle. Er ist fast wie ein Pitbull, will beschützen.
STANDARD: In der ersten Folge der neuen Staffel muss er sich gegen Foltervorwürfe verteidigen.
Sutherland: Wir haben in dieser Saison viel unternommen, um Fragen zu stellen. Wir stellen unsere reale Gesellschaft infrage, und wir zeigen das durch ihn. Es gibt die Debatte über Folter in den USA, und die haben wir in die Serie eingebracht. Die Menschen sollten sich aber auch daran erinnern, dass 24 eine Fernsehserie ist. Folter ist ein Element, das wir für dramaturgische Zwecke nutzen, um zu zeigen, wie eng eine Situation ist. Jack Bauer hat Menschen getötet. Wir verherrlichen aber das Töten von Menschen nicht, es ist eine Fernsehserie. Das wäre so, als würde man dem Film The Godfather vorwerfen, er würde die Mafia verherrlichen. Es ist ein Film, und es gehört zu den wunderbaren Tatsachen dieser Show, dass Leute wie Hillary Clinton, Bill Clinton sie ebenso anschauen wie John McCain.
STANDARD: Wie Ihr Vater Donald spielten Sie an der Seite einer US-Präsidentin. Er machte Geena Davis in "Commander in Chief" das Leben schwer. In Wirklichkeit war Amerika aber noch nicht bereit für eine Präsidentin?
Sutherland: Ich glaube, dass es bereit war, aber dass es nicht darum ging, ob es den ersten weiblichen oder den ersten schwarzen Präsidenten gibt. Ich glaube, die Amerikaner waren bereit für einen Wechsel. Barack Obama repräsentierte diesen Wechsel aus welchen Gründen auch immer mehr.
STANDARD: Rund 13 Millionen verfolgten die erste Folge der siebenten Staffel in den USA. Zufrieden?
Sutherland: Sehr. Durch den Autorenstreik entstand zum Film davor eine Pause von eineinhalb Jahren. Das ist in einer so schnellen Welt, wie es die Filmwelt ist, eine schrecklich lange Zeit. Wir sind sehr dankbar, dass die Fans zurückgekommen sind und die Show auch weiterhin anschauen.
STANDARD: In Deutschland und Österreich gibt es die große "24"-Begeisterung aber nicht mehr. Haben Sie eine Idee, woran das liegen könnte?
Sutherland: Ich bin nicht wirklich in der Lage, das zu kommentieren. Das passiert in den USA genauso. Die Sopranos waren eine meiner Lieblingsserien, und das war auf HBO und nicht im Free-TV. Es ist ein Geschäft, und das passiert. Was ich zum Thema Bezahlfernsehen gegen reguläres Fernsehen sagen kann: Es lässt sich zumindest für die Vereinigten Staaten nicht leugnen, dass Bezahlsender qualitativ hochwertigstes Fernsehen machen. Großartige Serien wie Band of Brothers, The Sopranos oder Sex and the City sind so entstanden.
STANDARD: Und was schauen Sie im Fernsehen am liebsten an?
Sutherland: Ich liebe "The Wire" auf HBO. Leider haben sie die Serie letztes Jahr nach der fünften Saison eingestellt. Darin wurde gezeigt, wie junge Leuten in einer Stadt leben, die Drogenkultur nahm einen ganz wichtigen Teil ein. Das war ein riesiger Einblick, was in der Welt passiert. Ich fand sie informativ, inspirierend und ernsthafter als alles, was ich jemals zuvor gesehen habe. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 21.1.2009)
Zur Person:
Seit 2001 rettet Kiefer Sutherland (42) als Agent einer Spezialeinheit in "24" Leben. Davor spielte er in Mainstream-Filmen wie "Young Guns", "Die drei Musketiere" und "Flatliners". Sein Vater ist Donald Sutherland ("Wenn die Gondeln Trauer tragen"), er hat eine Zwillingsschwester, war zweimal verheiratet und hat eine Tochter.
"24": Telefon klingelt anders
Acht Staffeln von 24 hat Kiefer Sutherland zugesagt. Ob danach tatsächlich Schluss ist, halten sich er und Twentieth Century Fox völlig offen.
Die Quoten stimmen in den USA jedenfalls auch in der siebenten Auflage. In Deutschland und Österreich zeigt der Bezahlsender Premiere die Serie seit 12. Jänner zeitgleich mit den US-Folgen auf dem Sender Fox.
Die neuen Folgen spielen neuerdings nicht mehr in Los Angeles, sondern in Washington und erstmals mit Cherry Jones als US-Präsidentin. Tag sieben von 24 beginnt um acht Uhr früh. Geschichte ist auch die Spezialeinheit CTU. Jack Bauer verstärkt das FBI. Der berühmte Klingelton wurde ausgetauscht.
"Bestbezahlter Seriendarsteller" darf sich hingegen Kiefer Sutherland nennen. Für die Staffeln sechs, sieben und acht kassiert er 31 Millionen Euro. (prie)
Link
bauercount.com: Jack Bauer Kill Count
Nachlese
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Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!Und zwar noch immer - die siebte Staffel ist spannend und mitreißend wie ich finde und den Film habe ich mir natürlich auch ansehen müßen und auch von dem war ich nicht enttäuscht!
Jack Bauer ist wieder in Top-Form aber in Englisch gefällt es mir persönlich schon besser als auf Deutsch, denn seine echte Stimme ist einfach viel passender zu dem Charakter an sich!
Finde ich jetzt mal überhaupt nicht - Jack Bauer ist wie eh und je klasse, man muss halt die Premiere Serie und das Konzept an sich mögen, und die neue Staffel hat wirklich viel Aktuelles in sich. Kindersoldaten ist ein Thema, das viele lieber verschweigen möchten und naja ist trotzdem Alltag in manchen Ländern, auch das amerika in der Staffel bereits einen schwarzen Präsidenten hatte trifft ja jetzt auch auf die Wirklichkeit, ich will nicht sagen dass die Serie visionär ist, aber gut auf jeden Fall.
Wenn die "Debatte über Folter" in der Serie eingebracht wird, dann in einer furchtbar dummen und unreflektierten Weise. In der 7. Staffel gibt es bisher 2 Folterszenen, beide Male in einer "ticking time bomb" - Situation (der Verhörte hat Informationen, mit deren Hilfe ein unmittelbar bevorstehender Terroranschlag verhindert werden könnte), und beide Male liefert die Folter großartige Ergebnisse.
Wenn man die "Debatte" so einrahmt, kommt der Einsatz von Folter natürlich sehr gut weg. In der wirklichen Welt sind "ticking time bomb" - Szenarien unwahrscheinlich zum Quadrat, und Experten wissen, dass die Qualität von durch Folter erlangten Informationen durchwegs schlecht ist.
Also: Geistesnahrung ist 24 keine (aber trotzdem unterhaltsam).
Aber im "neuen 24" kommt da gleich die Anklagebehörde daher wenn man selber foltert - bizarrerweise jene Agentin, die so gerne nach den Regeln spielen möchte, während Jack Bauer weiter Krawall machen darf wie er will und am Ende der Staffel wahrscheinlich eh die Begnadigung von der Präsidentin einsacken wird.
Zur Folterfrage: da ist mMn "Battle of Algiers" ein großartiger Film, da foltern die Franzosen (mit einer Einstellung wie Jack Bauer, daß der Zweck die Mittel heiligt), was das Zeug hält, und haben damit auch kurzfristig Erfolg (in der kompletten Zerschlagung der FLN Infrastruktur in Algiers) gehabt (aber langfristig ist das voll in die Hose gegangen).
... die zugegebenermaßen sehr geschickt und für viele ansprechend verpackt wurde.
Die Kernaussage der Serie: Sich über Gesetze hinwegsetzen ist notwendig und cool, wenns gegen den Popanz des internationalen Terrorismus geht.
So peitscht man die öffentliche Meinung auf einen sukzessiven Abbau der Bürgerrechte ein.
... die bestenfalls einzelne Folgen, wenn überhaupt, gesehen haben. Terrorismus in der Form wie wir das Wort verstehen wird von 24 konterkariert - denn in den meisten Fällen entpuppt sich das Ganze als Verschwörung, die allgemeine Angst und der Glaube an Terrorismus werden gezielt eingesetzt, um die wahren Absichten zu verschleiern. Auch Folter ist keinesfalls ein Erfolgsgarant, vielmehr führt sie sehr oft nicht zum Ziel und zum zunehmenden emotionalen Verfall der Hauptfigur. Und wenn, geht es immer um tausende oder zehntausende Menschenleben, die gerettet werden könnten ... ist hier Folter einer Person gerechtfertigt? Eine moralische Frage, auf die es keine schnelle Antwort gibt. Und in dieser Zeit ist es mutig, diese Frage zu stellen.
Überhaupt eine Staffel gesehen? Die wirklich bösen sitzen nämlich fast jedes mal im eigenen Land, entweder in der Regierung oder in irgendwelchen Riesen-firmen.
Jack Bauer hat halt seine eigene Moral. Die lange Sicht der Dinge ist ihm egal, solange er damit kurzfristig seine Ziele erreichen kann. Das ist eigentlich nicht ok, klar.
Muss jeder Seriencharakter moralisch makellos sein? Außerdem setzt er sich ja zu 99% gegen alle Befehle zur Wehr und macht sein eigenes Ding. Besonders sympathisch find ich den Charakter nicht.
"In Deutschland und Österreich gibt es die große "24"-Begeisterung aber nicht mehr. Haben Sie eine Idee, woran das liegen könnte?"
eine frechheit, dass sutherland die antwort auf diese frage nich weiß..
zum thema: ich weiß ja nicht wie's anderen geht, aber mir kommt noch immer vor, als wäre eine durchschnittliche 24-episode noch immer 100x spannender als eine überdurchschnittliche episode jeder anderen serie!
die Deutschen aber zugleich glauben, sie seien sehr gut.
Und weil der ORF diesen Käse aus unerfindlichen Gründen oft einkauft oder koproduziert, bekommen wir dann auch die gesammelten Werke von Christine Neubauer oder Veronica Ferres zu sehen.
Diese Leute gelten übrigens in Deutschland als "Stars", TV-Produkte werden extra auf sie zugeschnitten.
Die deutschen Privatsender wiederum raffen sich nur selten zu etwas anderem als Trash auf.
Fazit: Das deutsche TV-Publikum ist ästhetisch zurückgeblieben und leicht zu überfordern (siehe den Misserfolg von "Six Feet Under"). Außerdem wollen sie alles in Synchronfassung.
Zum letzten Punkt: Allein schon Kamera/Bildsprache von "24" ist großartig. Und alles in Super 35 gedreht, nicht Super 16!!
das gilt aber auch für andere länder.
der massengeschmack ist halt nicht so hoch.
ich sehe 24 noch immer als 'premium' serie mit einer speziellen zuschauerschaft. also s für jeden, das ist vielleicht auch gut so...
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