"Jack Bauer ist fast wie ein Pitbull"

20. Jänner 2009, 18:41
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Die Actionserie "24" schafft in den USA auch in der siebenten Saison Höchstquoten - Videointerviews mit Sutherland, Regisseur Jon Cassar sowie den Schauspielern Annie Wersching und Carlos Bernard

Die Actionserie "24" schafft in den USA auch in der siebenten Saison Höchstquoten. Kiefer Sutherland jagt wieder Bösewichte. Mit Doris Priesching sprach er über Folter im Fernsehen und seine Lieblingsserie.

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STANDARD: Kritische Beobachter sehen in Jack Bauer den Archetypus der Bush-Administration. Verstehen Sie das?

Sutherland: Ich verstehe es, aber ich bin völlig anderer Meinung. Jack Bauer ist der Archetypus gar keiner Administration. In Wahrheit ist er ein sehr unpolitischer Charakter. Er arbeitete für verschiedene Präsidenten. Er hat keine Verbindlichkeiten zum Politischen, er hat eine Verbindlichkeit zur Moral. David Palmer (Dennis Haysbert, Anm.) war der erste afroamerikanische Präsident im Fernsehen, die beiden hatten eine unglaubliche Beziehung. Gregory Itzin (Charles Logan, Anm.) war dagegen ein gemeiner Präsident. Ihn gab es, um einen republikanischen Präsidenten in der Show zu haben. Er war in illegale Machenschaften verwickelt. Jack Bauer manövriert sich durch sie alle. Er ist fast wie ein Pitbull, will beschützen.

STANDARD: In der ersten Folge der neuen Staffel muss er sich gegen Foltervorwürfe verteidigen.

Sutherland: Wir haben in dieser Saison viel unternommen, um Fragen zu stellen. Wir stellen unsere reale Gesellschaft infrage, und wir zeigen das durch ihn. Es gibt die Debatte über Folter in den USA, und die haben wir in die Serie eingebracht. Die Menschen sollten sich aber auch daran erinnern, dass 24 eine Fernsehserie ist. Folter ist ein Element, das wir für dramaturgische Zwecke nutzen, um zu zeigen, wie eng eine Situation ist. Jack Bauer hat Menschen getötet. Wir verherrlichen aber das Töten von Menschen nicht, es ist eine Fernsehserie. Das wäre so, als würde man dem Film The Godfather vorwerfen, er würde die Mafia verherrlichen. Es ist ein Film, und es gehört zu den wunderbaren Tatsachen dieser Show, dass Leute wie Hillary Clinton, Bill Clinton sie ebenso anschauen wie John McCain.


STANDARD: Wie Ihr Vater Donald spielten Sie an der Seite einer US-Präsidentin. Er machte Geena Davis in "Commander in Chief" das Leben schwer. In Wirklichkeit war Amerika aber noch nicht bereit für eine Präsidentin?

Sutherland: Ich glaube, dass es bereit war, aber dass es nicht darum ging, ob es den ersten weiblichen oder den ersten schwarzen Präsidenten gibt. Ich glaube, die Amerikaner waren bereit für einen Wechsel. Barack Obama repräsentierte diesen Wechsel aus welchen Gründen auch immer mehr.


STANDARD: Rund 13 Millionen verfolgten die erste Folge der siebenten Staffel in den USA. Zufrieden?

Sutherland: Sehr. Durch den Autorenstreik entstand zum Film davor eine Pause von eineinhalb Jahren. Das ist in einer so schnellen Welt, wie es die Filmwelt ist, eine schrecklich lange Zeit. Wir sind sehr dankbar, dass die Fans zurückgekommen sind und die Show auch weiterhin anschauen.

STANDARD: In Deutschland und Österreich gibt es die große "24"-Begeisterung aber nicht mehr. Haben Sie eine Idee, woran das liegen könnte?

Sutherland: Ich bin nicht wirklich in der Lage, das zu kommentieren. Das passiert in den USA genauso. Die Sopranos waren eine meiner Lieblingsserien, und das war auf HBO und nicht im Free-TV. Es ist ein Geschäft, und das passiert. Was ich zum Thema Bezahlfernsehen gegen reguläres Fernsehen sagen kann: Es lässt sich zumindest für die Vereinigten Staaten nicht leugnen, dass Bezahlsender qualitativ hochwertigstes Fernsehen machen. Großartige Serien wie Band of Brothers, The Sopranos oder Sex and the City sind so entstanden.

STANDARD: Und was schauen Sie im Fernsehen am liebsten an?

Sutherland: Ich liebe "The Wire" auf HBO. Leider haben sie die Serie letztes Jahr nach der fünften Saison eingestellt. Darin wurde gezeigt, wie junge Leuten in einer Stadt leben, die Drogenkultur nahm einen ganz wichtigen Teil ein. Das war ein riesiger Einblick, was in der Welt passiert. Ich fand sie informativ, inspirierend und ernsthafter als alles, was ich jemals zuvor gesehen habe. (Doris Priesching/DER STANDARD; Printausgabe, 21.1.2009)

Zur Person:

Seit 2001 rettet Kiefer Sutherland (42) als Agent einer Spezialeinheit in "24" Leben. Davor spielte er in Mainstream-Filmen wie "Young Guns", "Die drei Musketiere" und "Flatliners". Sein Vater ist Donald Sutherland ("Wenn die Gondeln Trauer tragen"), er hat eine Zwillingsschwester, war zweimal verheiratet und hat eine Tochter.

"24": Telefon klingelt anders

Acht Staffeln von 24 hat Kiefer Sutherland zugesagt. Ob danach tatsächlich Schluss ist, halten sich er und Twentieth Century Fox völlig offen.

Die Quoten stimmen in den USA jedenfalls auch in der siebenten Auflage. In Deutschland und Österreich zeigt der Bezahlsender Premiere die Serie seit 12. Jänner zeitgleich mit den US-Folgen auf dem Sender Fox.

Die neuen Folgen spielen neuerdings nicht mehr in Los Angeles, sondern in Washington und erstmals mit Cherry Jones als US-Präsidentin. Tag sieben von 24 beginnt um acht Uhr früh. Geschichte ist auch die Spezialeinheit CTU. Jack Bauer verstärkt das FBI. Der berühmte Klingelton wurde ausgetauscht.

"Bestbezahlter Seriendarsteller" darf sich hingegen Kiefer Sutherland nennen. Für die Staffeln sechs, sieben und acht kassiert er 31 Millionen Euro. (prie)

Link
bauercount.com: Jack Bauer Kill Count

Nachlese
Comic-Held mit gequältem Blick
Siebente Saison von "24": Zum Amtsantritt Barack Obamas muss sich Agent Jack Bauer wegen Folter verantworten

  • Videointerviews mit Kiefer Sutherland, Regisseur Jon Cassar sowie den Schauspielern Annie Wersching und Carlos Bernard

  • Kiefer Sutherland als Jack Bauer in der US-Actionserie "24": In den neuen Folgen stellt er sich Foltervorwürfen.
    foto: fox

    Kiefer Sutherland als Jack Bauer in der US-Actionserie "24": In den neuen Folgen stellt er sich Foltervorwürfen.

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