Gruppenbild ohne Dame

20. Jänner 2009, 18:43
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Männerdomänen, so weit das Auge reicht - Auch der Staat geht nicht mit gutem Beispiel voran - Die Frauenministerin bläst den Plan einer Frauenquote in Aufsichtsräten erst einmal ab

Wien - Sie sind wieder unter sich. Ingela Bruner, die einzige Frau, die jemals eine öffentliche Uni in Österreich geleitet hat, räumt nach heftigen Querelen ihren Posten (siehe unten). Die Rektorate der 21 Hochschulen mutieren damit wieder zum reinen Männerklub.
Die Universitäten, die so gerne Avantgarde wären, repräsentieren die ernüchternde Norm. Sind Studentinnen in den Hörsälen noch die Mehrheit, nimmt der Frauenanteil mit jeder höheren Ebene ab - ein typisches Muster. Lediglich 15 Prozent aller Führungskräfte seien weiblich, hat das Wirtschaftsforum für Führungskräfte ausgerechnet: In der dritten Ebene sind es 23 Prozent, in der zweiten 19, ganz oben nur noch 13 Prozent.
Der Staat geht dabei kaum mit gutem Beispiel voran. Alle Parteien reden zwar von Gleichberechtigung; wo die Politik bei Besetzungen aber mitentscheidet, stürmen Frauen auch nicht die Chefetagen. Ganz im Gegenteil, wie ein Rundblick des Standard zeigt.

Männerwelt

Fast ausschließlich Männer sind es, die Österreichs (halb-)öffentliche Unternehmen verwalten. In den Vorständen der Industrieholding ÖIAG und ihrer Töchter sitzt keine einzige Frau. Nur in die Aufsichtsräte hat es die eine oder andere Pionierin geschafft - nicht immer ein Verdienst der heimischen Vertreter. Die einzige Aufsichtsrätin des Erdölkonzerns OMV stammt aus einer klassischen Männerwelt: Sie wurde von den Mitbesitzern aus Abu Dhabi entsannt.
Eine Frau behauptet sich unter 14 Männern in den Vorständen der Bundesbahn. Um den Straßenbau kümmern sich die zwei Direktoren, sieben Geschäftsführer und fünf Aufsichtsräte der Asfinag, um den Wald, die die zwei Vorstände, 25 Betriebs- und Stabsstellenleiter und vier Aufsichtsräte der Bundesforste AG. Allesamt Männer.
Natürlich gäbe es Frauenförderung bei den Bundesforsten, sagt Sprecher Bernhard Schragl und beziffert den Frauenanteil mit insgesamt 14 Prozent: "Es ist nur leider typisch für die Branche, dass von den Schulen und Unis zu wenige Anwärterinnen kommen."

Domänen und Doppellast

Meiden Frauen die Männerdomänen? Ein Blick in die Statistik relativiert diese These. An technischen Hochschulen beträgt der Frauenanteil etwa 20 Prozent, an der Uni für Bodenkultur hingegen beinahe die Hälfte. Bei der Forstwirtschaft sind es 22 Prozent.
"Es gibt viele Frauen, die aufsteigen könnten", sagt ÖVP-Frauensprecherin Maria Rauch-Kallat und fordert gezielte Förderungsprogramme: zum Beispiel Fortbildungskurse, die für Mütter attraktiv sind, die sich nach dem Job um die Kinder kümmern. "Es gibt aber auch eine Bringschuld", sagt Rauch-Kallat: „Frauen müssen besser netzwerken lernen. Viele Posten werden vergeben, ehe sie überhaupt ausgeschrieben sind." Netzwerken gehört auch für Elisabeth Zehetner, die Bundesgeschäftsführerin von „Frau in der Wirtschaft", unbedingt zur weiblichen Karriere; Abendveranstaltungen wahrzunehmen wird aber schwierig, wenn Frauen Kinder bekommen.
An der Spitze der Wirtschaftskammer (WK) steht derzeit mit Anna Maria Hochhauser eine Generalsekretärin. Ein Drittel der WK-Mitglieder sind Frauen, nur 15 Prozent sind aber Funktionärinnen. Die Gründe? 84 Prozent der Frauen geben an, dass Männer keine oder weniger Doppelbelastung durch Familie und Beruf haben.

Doch es sei nicht nur die Familie, die Frauen von Spitzenjobs fernhält, meint Zehetner: "Wir haben sehr hohe Ansprüche an uns selbst und bewerben uns für eine Führungsposition nur dann, wenn wir eigentlich fast überqualifiziert sind. 90 Prozent der Männer sind da weniger zimperlich."
Ähnlich sieht das Heidrun Silhavy, Frauenministerin a. D. und langjährige Frauensekretärin des Gewerkschaftsbundes (ÖGB): „Frauen sind viel kritischer sich selbst gegenüber. Ich würde mir da oft viel mehr Selbstbewusstsein wünschen." Vermutlich auch unter den eigenen Kolleginnen: Sämtliche Teilgewerkschaften werden von Männern geleitet.

Quoten?

Würden Quoten den Aufstieg von Frauen beschleunigen? Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) ließ vor gut sechs Wochen mit der Forderung nach einer Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten aufhorchen. Mittlerweile hat sie festgestellt, "dass wir noch nicht so weit sind. Es bleibt mein Ziel. Aber es heute mit einer Quote zu verbinden, ist verfrüht." Dass die Frauenquote unter den Rektoren bei null liegt, will die Regierung aber nicht länger hinnehmen: In der nächsten Novelle zum Uni-Gesetz soll ein Anteil von 40 Prozent fixiert werden. (Andrea Heigl, Gerald John, Der STANDARD, Print, 21.1.2009)

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    Männerclique an den Unis: Ingela Bruner, erste und einzige Rektorin, trat nach internen Querelen ab. Unter den Studierenden sind die Frauen in der Überzahl, in den Chefetagen hingegen nicht vorhanden.

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