"Wir wollen diese Krise auch als Chance nutzen"

20. Jänner 2009, 18:15
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Thomas Fahnemann, neuer Vorstandschef bei RHI, erwartet, dass die Krise bis Mitte 2010 andauern wird

STANDARD: Sie haben die RHI-Führung in einem schwierigen Umfeld und ohne Feuerfesterfahrung übernommen. Wie geht es Ihnen?

Fahnemann: Natürlich kenne ich die Feuerfestindustrie nur von außen, aber meine ganze Karriere war ich in der Chemie, Petrochemie, auch im Gasgeschäft, also im Grundstoffgeschäft, tätig. Spielregeln und Marktdynamik sind da sehr ähnlich, von da her fühle ich mich sehr wohl. Was das technische Verständnis der RHI-Produkte angeht, bin ich momentan in einer steilen Lernkurve. Der Vorteil, wenn man von außen kommt, ist, dass man viele Fragen stellen und auch viel infrage stellen kann.

STANDARD: Wo liegen aus Ihrer Sicht die Herausforderungen für RHI?

Fahnemann: Es geht jetzt sicher darum, die kurzfristige Situation zu managen, aber noch wichtiger ist, dass wir uns positionieren, damit wir gestärkt aus der Krise hervorgehen. So eine Krise bietet ja auch immer unheimliche Chancen. Wir wollen die Krise optimal nutzen, um unsere Position, die schon sehr gut ist, noch zu verbessern. Unsere Industrie schreit nach Konsolidierung, und wir wollen dabei eine aktive Rolle spielen. Wir haben alle Instrumente, die wir dazu benötigen: Technologie, Marktanteil, gute Mitarbeiter und Produkte und mittlerweile auch die finanzielle Ausstattung.

STANDARD: RHI ist zwar Marktführer, hat aber noch Schulden von der Beinahe-Pleite 2001 ...

Fahnemann: Dass wir die Krise überstehen, ist kein Problem, auch von unserer Liquidität her nicht. Und im internationalen Vergleich stehen wir sehr gut da. Wir sind gerade dabei, ein Strategie-Update zu machen, eine Strategie für die nächsten fünf bis sieben Jahre. Wir werden das mit unserem Aufsichtsrat diskutieren, das wird sehr schnell passieren, und sobald das akkordiert ist, werden wir loslegen. Und natürlich auch die unangenehme aktuelle Situation managen. Aber für uns steht im Vordergrund, dass wir die Krise auch als Chance sehen. Gute Firmen sind immer gestärkt aus Krisen hervorgegangen. Das ist auch erklärtes Ziel für die RHI, auch wenn diese Krise sehr speziell ist.

STANDARD: Wie würden Sie Akquisitionen denn finanzieren? Eine Kapitalerhöhung wäre schwierig und unattraktiv zum aktuellen Kurs, Kredite sind schwer zu bekommen.

Fahnemann: Wir klären jetzt ab, welche Optionen wir haben, damit wir dann schnell agieren können, wenn es ein "window of opportunity" gibt. Es sind trotz Kreditklemme durchaus auch Kredite verfügbar.

STANDARD: Steht das Budget für 2009? Wie lange dauert die Krise?

Fahnemann: Wir sind dabei, das Budget zu überarbeiten. Für das Industriegeschäft haben wir Eckdaten: Das Glasgeschäft liegt unter dem Vorjahr, hat aber nicht massive Einbrüche wie Stahl. Bei Zement sehen wir einzelne Lichtblicke, noch keine Aufträge, aber Anfragen. Die Regierungsprogramme dürften langsam anfangen, zu ziehen. Der Großteil davon geht ja in Infrastrukturmaßnahmen, das unterstützt auch unsere Industrie. Das Ergebnis 2008 wird 2009 sicher bei weitem nicht erreicht. 2009 wird schwierig, auch das erste Halbjahr 2010 noch, erst dann kommen wir raus aus der Krise.

STANDARD: Und wie sieht es bei Stahl, dem RHI-Hauptbereich, aus?

Fahnemann: Voller Nebel, wir wissen es nicht. Wir arbeiten im Budget mit drei Szenarien, um schnell reagieren zu können. Der realistische Fall für mich ist, dass Stahl übers Jahr gerechnet bei minus zehn Prozent liegt. Wir gehen in den Szenarien dann bis minus 40, 45 Prozent, was ich aber nicht glaube. Aber man muss sich zumindest theoretisch damit auseinandersetzen, was das dann heißt.

STANDARD: Hat RHI schon Preise senken müssen. Stehen Werksstillstände an?

Fahnemann: Wir haben 2008 alle Preiserhöhungen durchbekommen und noch keine Senkung vorgenommen. Der Druck von Kunden ist aber da. Bisher sind auch keine Werksstillstände angedacht. Wir haben aber Reparaturen vorgezogen und nehmen damit auch gleich Kapazität aus dem Markt. Wir hoffen, dass wir damit durchkommen. (Gabriele Kolar, DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2009)

Zur Person

Thomas Fahnemann (48) hat in Mainz Betriebswirtschaft studiert, beim Chemiekonzern Höchst in Deutschland und den USA gearbeitet. 2003 bis Ende 2008 war Fahnemann Vorstandschef beim Viskoseproduzenten Lenzing, seit Anfang 2009 ist er RHI-Chef.

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    Thomas Fahnemann

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